60 Jahre

Knabenchor

 

 

 

Grüße, Texte, Reden

 


Inhaltsverzeichnis

 

 

Vorwort 3

Grußwort des Bürgermeisters. 4

Grußwort der Bauherrin Kristina Bulling. 5

Grußwort des Primarius Martin Pühn. 6

Grußwort Gebhard Kaiser, Assistent von Harald Wolff 7

Vielfalt der Möglichkeiten. 8

Grußwort des Freundeskreises. 9

„Keine einfache Zeit für den Chor“. 11

„Zeit des Aufbruchs“. 12

„Stolz wie Oskar auf seine Bremer Jungs“. 13

„...das dies einfach unmöglich ist....“. 14

„Hüten musst du dich nur vor dem Präfekten!“. 16

„Wie perfekt muss ein Präfekt sein“?. 17

„11½ Jahre Knabenchor – ein unverzichtbarer Lebensinhalt“. 18

Erinnerungen an Harald Wolff 20

Knabenchor zwischen Kadettenanstalt und Lust am Singen. 25

„Freude am Singen“! 28

Spaß und Teamgeist geben den Ton an. 29

Vesperprogramm.. 30

Ansprache zur Vesper des Knabenchors am 17. 09. 2005. 31

Begrüßung zum Festabend 60 Jahre Knabenchor am 17. 09. 05. 33

Rede zum Festgottesdienst am 18. 09. 2005. 35

 


Vorwort

Als Harald Wolff im September 1945 begann, an Unser Lieben Frauen einen Knabenchor aufzubauen, war er gerade wenige Wochen zuvor 40 Jahre alt geworden. So haben wir nun im September 2005 allen Grund, uns über den 60. Geburtstag des Knabenchors zu freuen und zugleich des 100. Geburtstags seines Gründers zu gedenken.

Wegen dieses doppelten Jubiläums hat der Vorstand des Freundeskreises sich entschlossen, nur zehn Jahre nach dem großen Fest zum 50. Geburtstag des Knabenchors erneut eine kleine Festschrift herauszugeben. In ihr finden sich insbesondere Beiträge zum Knabenchor in den letzten zwölf Jahren, in denen Ansgar Müller-Nanninga ihn in jeder Beziehung zu neuer Blüte geführt hat, und zu Harald Wolff, dem der Knabenchor seine Existenz und seinen Charakter verdankt.

Es ist ein Geschenk für den Knabenchor, dass er mit Harald Wolff, Chris Vandré und Ansgar Müller-Nanninga in 60 Jahren von nur drei Kantoren jeweils langjährig geführt wurde und wird. Diese Kontinuität im Kantorenamt trägt nicht nur zu einer für Jugendliche geringen Fluktuation im Knabenchor bei - zumeist singen die Jungen sechs bis zwölf Jahre mit –sondern ermöglicht auch eine beständige , ganz besondere altersgemischte christliche Jugendarbeit, die viele Jungen für ihr Leben prägt. Hierfür gilt allen drei Kantoren großer Dank !

Dr. Thomas Carstens, Vorsitzender des Freundeskreises des Knabenchors

(1961 – 1969 im Knabenchor)

 


Grußwort des Bürgermeisters

Lieber Ansgar Müller-Nanninga,

Liebe Jungs,

Liebe Freunde des Knabenchores,

Der Knabenchor von Unser Lieben Frauen feiert in diesem Jahr 60. Geburtstag. Das ist für mich ein ganz besonders Ereignis, denn ich selber habe als Knirps von zehn Jahren in diesem wunderbaren Chor eine Zeitlang mitgesungen. Das waren ganz prägende Erfahrungen, in diesem Alter schon so anspruchsvolle Musik machen zu dürfen. Ich erinnere mich an herrliche Bachkantaten, an Stücke von Monteverdi und Palestrina, die wir einstudierten und in den schwierigen Nachkriegsjahren für die Bremerinnen und Bremer sangen. Eine Zeit, die ich nie vergessen werde!

Heute ist der Knabenchor mit inzwischen 160 Sängern ein fester Bestandteil unseres kulturellen Lebens in Bremen und ist aus dem Reigen unseres breiten musikalischen Angebots gar nicht mehr wegzudenken. Die Kirchenmusik mit ihren Motetten, den Chorsätzen und den Liedern aus vielen Jahrhunderten ist für alle musikbegeisterten Menschen ein wertvoller Schatz, der immer wieder zu beglücken vermag.

Als Ehemaliger des Knabenchores weiß ich gut die hervorragenden Leistungen und den Wert der Knabenchorarbeit zu schätzen. Gerade in unserer oft schnelllebigen Zeit ist es gar nicht mehr so selbstverständlich, dass Kinder, Jugendliche und junge Männer bereit sind, einen großen Teil ihrer Freizeit über Jahre der musikalischen Arbeit zu widmen.

Aber diese Arbeit wäre ohne die Kantoren Harald Wolff, Chris Vandré und Ansgar Müller-Nanninga, die mit großem Engagement und pädagogischen Geschick die Jungen in diesen sechzig Jahren immer wieder motivierten, gar nicht vorstellbar. Die Knabenchor-Gemeinschaft, die geprägt ist von solidarischem Verhalten, gegenseitiger Hilfe und respektvollem Umgang miteinander und die sich an christlichen Werten orientiert, erfüllt eine Vorbildfunktion auch für andere soziale Gruppen!

Ich gratuliere der Gemeinde und natürlich ganz besonders den aktiven Sängern wie auch dem Freundeskreis ganz herzlich zu diesem Geburtstag. Mögen uns die schönen Stimmen dieses großen Chores auch weiterhin so viel Freude bereiten wie bisher!

Dr. Henning Scherf

Bürgermeister

Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen

 


Grußwort der Bauherrin Kristina Bulling

60 Jahre Knabenchor in Unser Lieben Frauen!

Das ist wirklich Grund zu ganz großer Freude und Dankbarkeit! 60 Jahre sind vergangen, seit Gründungskantor Harald Wolff drei Monate nach Kriegsende die erste Chorprobe in der durch zwei Bombenangriffe stark beschädigten Kirche abhielt. Was damals mit 3 Jungen begann, hat sich heute zu einer blühenden Gemeinschaft von 160 „Knaben“ im Alter von 5 bis 20 Jahren entwickelt. Nicht nur die Größe des Chores sprengt inzwischen alle Grenzen – so müssen die Sommerkonzerte aus Platzgründen im Gemeindehaus der freundschaftlich verbundenen St. Ansgarii-Gemeinde stattfinden, – auch sein Wirkungskreis geht längst über die Grenzen Deutschlands hinaus! Konzertreisen führten die jungen Sänger in den letzten Jahren nach London, Paris und Kopenhagen, wo Kantor Ansgar Müller-Nanninga mit ihnen beachtliche Erfolge erzielte. Hier zeigt es sich, dass der Knabenchor in Ansgar Müller-Nanninga einen hochmotivierten, dynamischen Kantor hat, der weiß, wie man junge Menschen motiviert und qualifiziert und der für „seine Jungs“ durchs Feuer geht!

Für uns als Gemeinde ist es jedoch von viel größerer Bedeutung, dass sich der Knabenchor von Anfang an der musikalischen Ausgestaltung der gemeindlichen Gottesdienste in hohem Maße verpflichtet sah!

Dazu gehören die sonntäglichen Gottesdienste, in denen sowohl a-cappella-Musik als auch u.a. das gesamte Kantatenwerk Johann Sebastian Bachs aufgeführt wird, und die Vespern, die viele Menschen durch die Gesänge der frühchristlichen Psalmvertonungen ganz besonders lieben und berühren. Wenn heutzutage 60 Jugendliche allmonatlich samstags um 18.00 Uhr zum Vespersingen zusammenkommen und deshalb darauf verzichten müssen, Werders Erfolge oder Niederlagen aus erster Hand mitzuerleben, dann nötigt mir das großen Respekt für diese jungen Menschen ab. Für sie muss es also noch etwas anderes geben, als die Freude an der Musik und der Gemeinschaft!

In meinen Augen könnte das sein, dass auch sie sich berühren lassen von der besonderen Ausstrahlung unseres wunderschönen Kirchenraumes. Dieses alte Gotteshaus, in welchem viele Generationen Gott gesucht und zu ihm gebetet haben, mit Jubel, Lobpreis und tröstlicher Musik zu erfüllen, ist eine Erfahrung, die durch das ganze Leben trägt. Sie kann zu einem Fundus des Glaubens werden, der später eine echte Entscheidung für den eigenen Glaubensweg ermöglicht. In diesem Sinne beglückt mich das heutige Jubiläum ganz besonders. Ich wünsche allen „Knaben“, dass sie diesen Schatz in sich hüten und bewahren, und dass sie sich weiterhin mit Freude und Begeisterung der „musica sacra“ verpflichtet fühlen. Ihnen allen und ganz besonders Herrn Müller-Nanninga dankt unsere Gemeinde von ganzem Herzen und wünscht ihnen Gottes Segen für die Zukunft.


Grußwort des Primarius Martin Pühn

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Psalm 98,1

Der Knabenchor von Unser Lieben Frauen wird 60 Jahre alt. Und all diese Jahre sind gefüllt mit Ereignissen, die ihre Spuren hinterlassen haben, nicht nur bei den Sängern, sondern auch bei denen, die ihnen zuhören.

Ich nehme solch eine Spur auf. Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre fanden mehrere Sommerfreizeiten des Knabenchores im Kloster Möllenbeck bei Rinteln statt. Zuvor hatten das Ehepaar Wolff und viele Eltern das alte Kloster bewohnbar gemacht: sie hatten in Bremen Betten und Möbel zusammen gesammelt, diese nach Möllenbeck gebracht und damit einige Räume im ersten Stockwerk des leerstehenden Gebäudes eingerichtet.

Die Freizeiten dort waren herrlich. Wenn wir im Kloster über den langen und breiten Flur rannten, dann wirbelte aus den Ritzen zwischen den Holzbohlen jahrhundertealter Staub auf. Unten im Kreuzgang wurde Tischtennis und im verwilderten Innenhof mit verbeulten Blechtellern Frisbee gespielt. In späteren Jahren wuchs in diesem Hof neu gesäter Rasen und es fanden dort Konzerte für die Dorfbewohner statt. Selbstverständlich sang der Chor sonntags während der Gottesdienste in der großen Kirche. Zum Reiz des Klosters gehörte auch, dass viele der alten Räume einsturzgefährdet waren, wir konnten zwar hineinsehen, durften sie aber nicht betreten, wenn wir den langen Flur entlang zur Chorprobe kamen. Und dann befand sich ganz am Ende dieses Ganges ein lichtdurchfluteter Raum, wo wir dreimal am Tag zu einer Andacht zusammen kamen. Hier mussten und konnten wir all unsere Aktivitäten unterbrechen, um zu singen, zu beten und auf Worte aus der Bibel zu hören, die Harald Wolff mit klaren Gedanken auslegte. Ich weiß, dass ich in dieser Zeit und bei den Stundengebeten im Kloster Möllenbeck meine ersten Erfahrungen mit dem Glauben gemacht habe.

Beim Jubiläum des Knabenchores werden gewiss viele solcher Erinnerungen ausgetauscht. Die aktiven und die ehemaligen Sänger, die Eltern und viele Gemeindemitglieder werden erzählen können, was dieser Chor für sie bedeutet. Und was sie den bisherigen drei Kantoren, was sie also Harald Wolff, Chris Vandré und Ansgar Müller-Nanninga verdanken. Wir werden in diesen Tagen erneut feststellen, dass wir wundervoll berührt werden, wenn wir singen und wenn wir hören. Und wir können gewiss sein, dass Gott uns auch in kommenden Jahren dieses Wunder immer wieder schenken wird.


Grußwort Gebhard Kaiser, Assistent von Harald Wolff

Am Heiligen Abend 1945 wurde ich von Herrn Pastor Kampffmeyer um Vertretung für Harald Wolff gebeten. Herr Wolff stürzte am Heiligen Abend auf dem Heimweg und verletzte sich eine Hand erheblich.

Von Anfang Januar 1946 datiert mein erster Kontakt zum Knabenchor für einige Wochen mit Probenarbeit etc. Während meiner Amtszeit von 1947 bis 1952 als zweiter Organist an Unser Lieben Frauen vertrat ich Herrn Wolff erneut beim Knabenchor (und auch bei der Kantorei) für ein halbes Jahr. Herr Wolff interessierte sich meines Wissens für die Arbeit als Musikerzieher an der „Herrmann-Lietz-Schule“ in Biebenstein/Hessen (musisches Gymnasium). Er hatte sich eine Probezeit erbeten. Zu welchem Jahr genau es war, weiß ich nicht mehr.

Er kam zurück, weil er lieber Kirchenmusiker an der Unser Lieben Frauen Gemeinde bleiben wollte. Ich habe über sehr viele Jahre hinaus das „Auf und Ab“ des Knabenchores mit Interesse verfolgt und kann mit Freude und höchster Anerkennung die wachsenden Leistungen bei Gottesdiensten, Vespern, Konzerten und Reisen in jeder Beziehung würdigen!

Die Gemeinde und auch die Hansestadt Bremen kann stolz auf diesen ganz besonderen Chor sein. Was diesen jungen Menschen hier an musikalischen und theologischen Werten mitgegeben wird, prägt die meisten Jungen für das ganze Leben. Der Dank und diese Auszeichnung gilt seit etlichen Jahren Ansgar Müller-Nanninga!

Möge diese kirchenmusikalische Blüte noch lange weiterleuchten!


Vielfalt der Möglichkeiten

Langwedel-Etelsen, Thedinghausen, Wüsting-Hude, Schwanewede, Hüttenbusch-Worpswede, Ottersberg-Fischerhude. Das sind die Eckpunkte unseres Einzugsgebietes rund um Bremen. Weit sind die Wege, die manche Jungen auf sich nehmen, um zu singen: im Knabenchor Unser Lieben Frauen.

Meine Vorgänger Harald Wolff und Chris Vandré haben die Basis für eine Tradition geschaffen, die bis heute lebendig ist. Und hochaktuell. Denn Musik ist ein Medium, welches junge Männer zusammenführt, ihnen eine musikalische Ausbildung ermöglichen kann. Und genauso wichtig – in ihnen eine Form von Teamgeist entstehen lässt, wie sie Männern sonst kaum zu vermitteln ist. Dieser Teamgeist, verbunden mit der Lust zu singen und meiner riesigen Freude, in jungen Menschen kreative Kräfte zu wecken, macht wohl den Erfolg des Chores aus.

Es macht mir einfach Spaß, mit den Jungs zu musizieren! Und was alles auf hohem Niveau innerhalb des Jahres 2005 gesungen wurde! 7 Vespern, 14 Gottesdienste, 11 Konfirmationsständchen, ein schwieriges A-cappella-Programm, mit dem wir uns für den Deutschen Chorwettbewerb 2006 in Kiel qualifizieren konnten, ein Konzert mit weltlichem Programm anlässlich der Feier ‚600 Jahre Rathaus’ auf dem Marktplatz, ein Sommerkonzert, in dem die „Kleinen“ mit einer Kantate von Günther Kretzschmar brillierten, das Mozart-Requiem. Zwei Weihnachtsliedersingen und Bachs Weihnachtsoratorium IV – VI werden noch folgen. Und manchen Jungen ist das noch nicht genug. Die beiden A-cappella-Gruppen des Chores, ‚A-Chording’ und die ‚BICs’ (Boys in Concert) erarbeiten eigenständig anspruchsvolle Programme, die sie auf Festen, Feiern und in Konzerten wirkungsvoll darstellen. Das hat meine besondere Hochachtung.

Dennoch blicke ich nicht ohne Sorgen in die Zukunft. Die Ganztagsschule als künftig wohl flächendeckendes Schulkonzept wird die Existenz einer leistungsbezogenen Arbeit mit Schülern aus den etwa 30 verschiedenen Schulen sehr erschweren oder gar unmöglich machen. Bald müssen alle bis 16.00 Uhr in der Schule bleiben. Ob nach acht Stunden Schule noch die Bereitschaft zum Chor zu kommen oder ein Instrument zu lernen gegeben sein wird? Wir hoffen, Wege zu finden, uns auf diese Herausforderung einzustellen, um auch zukünftig den Jungen, die im Knabenchor mitwirken möchten, eine wesentliche Erfahrung vermitteln zu können.

Ansgar Müller-Nanninga

Kantor seit 1993

 


Grußwort des Freundeskreises

Wie, der Knabenchor an Unser Lieben Frauen wird 60 Jahre? Was, schon wieder ein Jubiläum? Ja, so ist es! Unser Knabenchor reiht sich in diesem Jahr in die Gruppe der zahlreichen Jubilare ein. Zwar mag man es eigentlich nicht glauben. Aber es stimmt: diese aus unserer Gemeinde nicht mehr wegzudenkende Institution ist gewissermaßen ein „Senior“. Der Knabenchor ist aber beileibe kein betagter, alter Herr, der vielleicht sogar „in die Jahre“ gekommen ist. Nein, dank seines Leiters und der vielen großen und kleinen Sänger ist er ein fitter und jung gebliebener „Alter“.

Knabenchor vor 60 Jahren, das hieß Anfang aus dem Nichts. Und wenn ich schreibe „aus dem Nichts“, dann meine ich es auch so. Da gab es nämlich zunächst nur eine Vision. Der damalige Leiter eines Chores (ohne einen einzigen Chorsänger!), Harald Wolff, hatte den Traum, eines Tages nach dem Vorbild der berühmten Knabenchöre mit jahrhunderterlanger Tradition einen ebensolchen Knabenchor zu schaffen. Herr Wolff musste mit drei (!!!) Jungen anfangen in dem einzigen etwas größerem Raum – dem „Brautsaal“ – der vom Krieg stark beschädigten Kirche. Wenigstens gab es ein in die Jahre gekommenes Klavier und ein Orgelpositiv. Und mit viel Idealismus wurde dann losgelegt! Stück für Stück und Sänger für Sänger wuchs der Chor und widersetzte sich allen Widrigkeiten, die die nächsten Jahre des Aufbaus mit sich brachten. So entstand der Knabenchor.

Und heute? Heute besteht der Knabenchor aus weit mehr als 100 Jungen – um genau zu sein: es sind im Augenblick 166, Tendenz steigend - , die mit viel Freude und Enthusiasmus bei der Sache sind. Knabenchor heute, das bedeutet Jungen mit schwarzen Schuhen, schwarzen Hosen, weißen Hemden, schwarzen Chormänteln, den „Pellen“ und mit gestylten – und ab und zu auch mal mit grünen, blauen oder roten – Haaren. So stehen sie bei jeder Vesper, beim Gottesdienst oder bei den zahlreichen Konzerten diszipliniert in Reih´ und Glied, immer dirigiert und geleitet von „ihrem“ Ansgar.

Ansgar Müller-Nanninga leitet den Chor jetzt seit August 1993. Und der Chor ist zu dem, was er heute ist, erst durch ihn geworden. Er führt die Jungen mit fester und sicherer Hand, er leitet sie. Unermüdlich probt Ansgar Müller-Nanninga mit dem eigentlichen Knabenchor und den Kurrendegruppen.

Musikalisch bewegt sich der Knabenchor dank Herrn Müller-Nanninga auf allerhöchstem Niveau. Auch hat Ansgar immer ein offenes Ohr für alle großen und kleineren Nöte der Jungen.

Und die Musik tritt auch mal in den Hintergrund, wenn Werder Thema sein muss. Fußball ist überhaupt neben der Musik ganz wichtig im Gemeinschaftsleben des Knabenchores. Jedes Jahr, wenn es in den Sommerferien auf Knabenchorfreizeit geht, findet neben der ausgiebigen und notwendigen Probenarbeit ein Fußballturnier statt. Dabei geht es wie bei den Profis zu - mit Vorrundenspielen, Halb- und Viertelfinals und dem eigentlichen Finale. Außerdem wird der Torschützenkönig ermittelt. So ist diese alljährliche Chorfreizeit ein besonderes Highlight. Und für die Familien der Jungen ist es eine Selbstverständlichkeit, den Familienurlaub so zu planen, dass keine Kollision mit der Freizeit möglich ist.

Überhaupt ist das Engagement der Eltern aller Jungen ebenfalls in diesem Artikel zu würdigen. Wären sie nicht so engagiert in und interessiert an der Arbeit des Knabenchores, könnte er wahrscheinlich „einpacken“. Wie viele Mütter und Väter haben sich nicht schon die Füße platt gestanden, wenn sie auch ihre kleinen Jungen, die eben noch nicht so groß waren, dass sie den Weg in die Stadt allein bewerkstelligen konnten, gewartet haben? Und wie sollten die vielen Konfirmationsständchen zu Hause bei den Konfirmanden aus dem Knabenchor erfolgreich absolviert werden, würden da nicht die Eltern als Chauffeure fungieren?

Insoweit muss auch unbedingt hingewiesen werden auf die vielen Helfer des Knabenchores, die im Hintergrund ihre Arbeit tun. Beispielhaft seien hier genannt Babette Schloemp – Frau Schloemp ist für das Büro und die Organisation des Knabenchores zuständig -, außerdem die musikalischen Assistenten, Kai Niko Henke, den wir leider bald verabschieden müssen, und Hilger Kespohl, sowie die Stimmbildner, Regine Horn und Wolfgang Nitschmann. Ohne sie wäre ebenfalls die Arbeit des Knabenchores nicht und nicht so erfolgreich möglich. Danke!

Knabenchor heute ist für die vielen Jungen ein Schatz, auf den sie hoffentlich in den nächsten 60 Jahren noch lange und gerne zurück sehen können! Und Harald Wolffs Vision von damals ist längst Wirklichkeit geworden – und das zu seinem 100. Geburtstag (im August 2005 wäre Harald Wolff nämlich 100 Jahre alt geworden)!

Das Jubiläum unseres Knabenchores werden wir vom 16. bis 18. September 2005 feiern. Am Freitagabend (16. 09.) wird u.a. das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart vom aktiven Knabenchor zur Aufführung gebracht. Am Samstag, dem 17. 09., wird eine Vesper mit dem (aktiven) Knabenchor und Ehemaligen stattfinden und am Sonntag (18. 09.) wird der Chor den Festgottesdienst in der Kirche musikalisch gestalten; im Anschluss an den Gottesdienst wird es einen Empfang in der Kirche geben.

Herzlichen Glückwunsch!

Bärbel Wendisch, stellvertretende Vorsitzende des Freundeskreises des Knabenchores

 

 


„Keine einfache Zeit für den Chor“

Nun sind schon zehn Jahre seit der letzten großen Jubiläumsfeier des Knabenchores vergangen. Damals, 1995, ging ich noch zur Schule und war als Präfekt aktiv am Leben im Knabenchor beteiligt.

Es war keine einfache Zeit für den Chor. Ansgar war noch nicht sehr lange im Amt und wir waren sehr bemüht, nach dem Wechsel, dem Austreten vieler Jungen und der herrschenden Unsicherheit dem Knabenchor einen neuen Aufschwung zu bescheren. Es war nicht immer einfach, aber es hat sich gelohnt!

Der Knabenchor steht heute in großem Glanz mit einer Vielzahl von Jungen wieder in voller Blüte. Ich habe mittlerweile mein Studium beendet und stehe im Berufsleben. Vom Erfolg des Knabenchores höre und lese ich im Internet, der Presse und von mittlerweile auch schon Ehemaligen.

Ich finde es anrührend zu sehen, dass es nach meiner Zeit als Präfekt nun schon mehrere Präfekten gegeben hat, die, alle auf ihre Weise, den Knabenchor geprägt haben und gewisse Traditionen und Werte, die nicht immer einleuchtend erschienen, weiter leben lassen.

Die Jungs erleben wieder Gemeinschaft - eine Verbindung von Tradition und neuen Wegen - geführt von Dir, lieber Ansgar! Etwas Schöneres kann es nicht geben! Ich wünsche dem Knabenchor weiterhin viel Erfolg, schöne Erlebnisse, konstruktive Auseinandersetzungen und viele neue Wege!

Philip Lüsebrink

Mitglied 1988-97

 


 „Zeit des Aufbruchs“

Ich kam 1993 in den Knabenchor und hatte vorher im Kinderchor der Musikschule Bremen bei Ansgar Müller-Nanninga gesungen. Nun wechselte ich mit ihm an die Kirche „Unser Lieben Frauen“. Die Anfänge waren nicht immer leicht, so erinnere ich mich daran, dass wir bei den ersten Proben gerade einmal 17 Sänger zählten. Doch Dank der Arbeit von Ansgar Müller-Nanninga wuchs der Chor in den folgenden Jahren stetig. So war es uns auch möglich, zum 50jährigen Jubiläum mit Mozarts Krönungsmesse das erste größere Werk aufzuführen. Neben der Literaturbearbeitung für Vespern und Gottesdienste, die wir regelmäßig gestalteten, folgte 1997 die Einstudierung und Aufführung des Mozart-Requiems, die ein voller Erfolg wurde. Neben den regelmäßigen Proben dürfen natürlich unsere zahlreichen Sommerfreizeiten und Probenwochenenden nicht unerwähnt bleiben, bei denen der Chor durch die musikalische Arbeit, aber natürlich insbesondere durch die gemeinsame Freizeitgestaltung immer mehr zusammen wuchs.

Das Jahr 1998 wurde dann wohl das erfolgreichste. Wir waren auserkoren, bei einem Uraufführungswettbewerb des Arbeitskreises Musik in der Jugend in Halle teilzunehmen. Hans Schanderl komponierte für uns zwei Stücke, eines im Stile Afrikanischer Musik „Mambo Kajule“ und einen Rap „Wunderbar“. Gerade das letzte Stück wurde nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dieser uns doch ungewohnten Musik zu unserem absoluten Favoriten. So war es auch kein Wunder, dass die Uraufführung in Halle ein voller Erfolg wurde. Dieses Stück begleitete uns im gleichen Jahr beim Deutschen Chorwettbewerb in Regensburg, wo wir mit dem dritten Platz abschnitten. Dank Benjamin Hanna, der das Stück mit einem Psalmtext unterlegte, konnten wir diese außergewöhnliche Musik im Rahmen einer Vesper auch dem Bremer Publikum vorstellen. Ich erinnere, dass wir hierfür spontanen Beifall bekamen, was ich vorher nie in einer Vesper erlebt hatte. Dieses sehr erfolgreiche Jahr fand im Dezember einen würdigen Abschluss mit einer tollen Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach. Die nächsten Monate sollten dann auch schon meine letzten als aktiver Sänger im Knabenchor sein. Doch mir sollte ein tolles Finale meiner Knabenchorzeit beschieden sein.

Im Mai 1999 erhielten wir eine Einladung, die Fünfzigjahrfeier der Bundesrepublik Deutschland im frisch restaurierten Berliner Reichstag musikalisch mitzugestalten. Nach unserem gelungenen Auftritt hatten wir ausgiebig Zeit, den Reichstag genauer zu bestaunen. Ich werde nie vergessen, wie ich auf meinem Rückweg aus der neu errichteten Kuppel den damaligen Bundespräsidenten Herzog traf, der mir spontan die Hand entgegenstreckte, um mir für unseren Auftritt zu danken. Dies bildete den Abschluss meiner Knabenchorzeit.

Ich möchte dir, lieber Ansgar, für die schöne Zeit danken und wünsche dir und dem Knabenchor für die Zukunft alles Gute und weiterhin so viel Erfolg

Matthias Franck

Präfekt 1997 - 1999

 


„Stolz wie Oskar auf seine Bremer Jungs“

Ein Ereignis aus meiner aktiven Zeit, das mir sicher immer unvergessen bleiben wird, ist die Berlinreise des Knabenchors anlässlich der Feierstunde zum 50jährigen Bestehen der BRD. Wir hatten einige Zeit zuvor eine Auftragskomposition des Komponisten Hans Schanderl uraufgeführt, die beim Publikum (und auch bei uns) sehr gut ankam. Unser Glück war es, dass in einer der Aufführungen dieses Stückes auch eine Person saß, die für das musikalische Begleitprogramm der Fünfzigjahrfeier im neuen Berliner Reichstag verantwortlich war. So wurden wir als junger deutscher Chor, der das Werk eines jungen deutschen Komponisten aufführte, ausgewählt um diese Komposition bei der Fünfzigjahrfeier zum Besten zu geben.

Bei der Generalprobe im Reichstag bekamen wir die Gelegenheit, uns schon vor der offiziellen Eröffnung des neuen Bundestages im Plenarsaal umzusehen und auch einmal die (ausgesprochen bequemen) Abgeordnetensitze auszuprobieren. Die eigentliche Feier bezog für uns ihren Reiz im Wesentlichen daraus, dass praktisch die gesamte Politprominenz unseres Landes anwesend war und unserer (mehr oder weniger gelungenen, lässt sich im Nachhinein nicht mehr gut sagen…) musikalischen Darbietung lauschte. Im Anschluss an die Feierstunde gab es noch ein ausgesprochen reichhaltiges Büffet, an dem sowohl wir als auch die anwesenden Politiker größere Mengen Spanferkel und ähnliches aßen.

Unser ebenfalls anwesender „Landesvater“ Henning Scherf war natürlich stolz wie Oskar auf „seine“ Bremer Jungs, und ließ es sich nicht nehmen, uns persönlich auf die neugebaute, damals noch nicht für das Publikum geöffnete Reichstagskuppel zu führen, um uns von dort aus die Sehenswürdigkeiten Berlins zu präsentieren.

Trotz der relativen Kürze unseres Berlinaufenthaltes bot sich uns auch noch die Gelegenheit, uns in der Stadt umzusehen und die Atmosphäre dieser Metropole zu genießen.

Die ganze Fahrt nach Berlin war für uns damals ein tolles Erlebnis. Besonders die Möglichkeit, uns relativ frei im Reichstag umzusehen und unseren Spitzenpolitikern mal hautnah zu begegnen, war für uns eine einmalige touristische Attraktion, wie sie sonst wohl kaum ein Berlinreisender erlebt. Dank gebührt hierfür besonders dem Komponisten Hans Schanderl, dessen schwungvolle und mitreißende Musik dies überhaupt erst ermöglichte.

Von Tobias Becher


„...das dies einfach unmöglich ist....“

Meine spontane Reaktion auf die Bitte, ein "Spotlight" aus meiner persönlichen Präfekten-Zeit zu beschreiben, war, dass dies einfach unmöglich ist. Aus meiner Sicht gab es einfach zu viele schöne Ereignisse, um nur ein Einzelnes exemplarisch herausgreifen zu können.

Ich erinnere mich an wunderschöne Chorfreizeiten. Vor allem einen Aspekt habe dabei in sehr lebhafter Erinnerung, der irgendwie immer schon da war und sich von Chorfreizeit zu Chorfreizeit langsam aber sicher zu einem gesellschaftlichen Großereignis entwickelt hatte. Die Rede ist vom alljährlichen Fußballturnier auf der Chorfreizeit, das einige Knaben regelmäßig dazu brachte, sich mental eher auf eine Art „Mini-WM“ als auf eine Probenfreizeit einzustellen.

Akribisch wurden oft schon auf der Busfahrt die Teams von uns Ältesten zusammengewürfelt, eifrig schon vor der ersten Probe der Platz getestet, und spätestens ab Anpfiff der ersten Begegnung hatte das Fußballfieber den gesamten Chor gepackt. Der Ball schien non-stop zu rollen, und wenn nicht real, dann doch zumindest in über 60 großen und kleinen Köpfen. Keine Mahlzeit, kein Abend und – hinter vorgehaltenem Notenblatt – auch keine Probe konnte sich mehr den wichtigsten Fragen unserer Zeit entziehen: „Wer spielt als nächstes?“ „Wann spielen wir wieder?“ „Wie viele Punkte haben wir?“ „Wo spiel ich?“ „Wer hat bisher die meisten Tore geschossen?“ „Wie viele Tore hab ich?“ „Was glaubst du, wer wird gewinnen?“ usw. Wer immer auch am Ende Sieger wurde, und wie viele Singfehler in den Proben sich auf die geistige Präsenz einiger Sänger in ca. 20m Luftlinie vom Probenraum erklären ließen: Von der Euphorie des Bremer Fußballnachwuchses zu urteilen brauchen sich Klinsmann & Co. für das kommende Jahr keine Sorgen zu machen…

Neben diesem für einen Aktiven enorm wichtigen und im Rückblick leicht amüsant wirkenden Aspekt des Fußballturniers gibt es aber auch einige grundsätzliche Punkte, die ich als charakteristisch für meine Knabenchorzeit betrachte.

Zum einen denke ich sagen zu können, dass die Freiheit, die den Chorsängern während meiner aktiven Zeit (1996 – 2001) vom Kantor gegeben wurde, einerseits nicht selbstverständlich war, andererseits aber auch einen enormen Beitrag zur Entwicklung jedes Einzelnen und der gesamten Gruppe geleistet hat. Durch die Einbindung von Präfekt, Fünferrat und allgemein der „Ü15“ entwickelte sich bei uns quasi von alleine ein Verantwortungsgefühl für „die Kleinen“, während diese – in der Regel – sich gerne an „den Großen“ orientiert und diese Hilfe dann auch an ihre Nachfolgegeneration weitergegeben haben.

Auch halte ich es nicht für selbstverständlich, dass ich als Halbägypter mit koptisch-orthodoxem Glauben zunächst einmal in einen evangelischen Knabenchor ohne irgendeine Diskussion eintreten durfte und später sogar vom Kantor zum Präfekten ernannt wurde. Der beschriebene soziale Geist spiegelte sich auch in einer wirklich selbstverständlichen Atmosphäre der Toleranz und Überkonfessionalität wider.

Ein wichtiger, wenn nicht für mich sogar der wichtigste Aspekt war die musikalische Entwicklung des Chores. So bin ich sehr froh, dabei gewesen zu sein, als der Knabenchor z.B. mit den im wahrsten Sinne des Wortes abgefahrenen Stücken vom bayrischen Komponisten Hans Schanderl „Wunderbar“ und „Mambo Kaluje“ gewagt hat, auch zeitgenössische und v.a. rhythmisch geprägte Musik aus dem crossover-Bereich aufzuführen.

In bildhafter Erinnerung sind mir die einmaligen Momente geblieben, in denen nach den Aufführungen der sakralen Fassung des afrikanisch angehauchten Chorhits „Wunderbar“, in der zum Psalm Nr. 121 „Ich hebe meine Augen zu den Bergen auf“ gerappt wurde, mitten in der Vesper frenetisch applaudiert wurde.

Auf der anderen Seite hat der Chor es aber auch geschafft, weiterhin die Balance zur Alten Musik zu halten und somit viele Jungen an das große Erbe der barocken Meister heranzuführen. Ich erinnere mich an eine sehr schöne Aufführung der Bachschen Johannespassion im März 2001, und besonders, an das in Zeiten knapper Kassen große Privileg, in authentischer Aufführungspraxis mit einem Profi-Barockorchester und herausragenden Solisten dieses Meisterwerk aufzuführen.

Ich bin sehr froh und dankbar, ein Mitglied des Knabenchors gewesen zu sein. Ganz besonders freut mich der damals schon begonnene rasante Zuwachs in der Sängerzahl, der sich jedem demographischen Trend zu widersetzen scheint und sich auch in der musikalischen Qualität positiv widerspiegelt. Alles Gute für die nächsten 60 Jahre!

Benjamin Hanna


 „Hüten musst du dich nur vor dem Präfekten!“

Als ich im Mai 1995 zum ersten Mal eine Vesper des Knabenchores erlebte, war mir im Anschluss klar, dass ich diesem Chor beitreten wollte. Ich werde nie meine erste Probe im Knabenchor vergessen – damals sah der Chor noch völlig anders aus: Die Männerstimmen ließen sich an einer Hand abzählen und es dürften nicht mehr als zwanzig Knaben gewesen sein. Geprobt wurde für die Juni-Vesper, u.a. „Befiehl dem Herren deine Wege“ und „Der Herr ist mein Hirte“, der Chorleiter wirkte erstaunlich locker (zu meinem Erstaunen sollte ich ihn auch noch duzen) und begeisterte die Jungen zum Singen, ganz anders als in meinen vorherigen Chören.

Die Jungen nahmen mich rasch in ihrer Mitte auf. „Hüten musst du dich nur vor dem Präfekten“, flüsterte mir mein Nebensitzer zu, „der wird manchmal richtig böse wenn wir nicht aufpassen.“ Er erzählte, einmal habe dieser vor dem Chor Noten zerrissen und sei darauf herumgetrampelt, nur um den Jungs klarzumachen, dass sie ihre Noten sorgfältig behandeln sollen. Einen Monat später sang ich in meiner ersten Vesper mit und obwohl ich noch ganz neu im Chor war, wurde mir gleich die Ehre zuteil, das Kreuz tragen zu dürfen, was mich mit unglaublichem Stolz erfüllte.

Im Herbst wurde das 50-jährige Jubiläum des Knabenchores gefeiert und ich erfuhr, dass der Chor eine erfolgreiche Geschichte besaß und nach einem Einbruch jetzt dabei war, langsam wieder zu wachsen. „Heute stehen wir zum ersten Mal wieder in drei Reihen“ sagte Ansgar damals voller Stolz. Diese Aufbruchsphase hat meine gesamte Zeit im Chor angedauert, ich durfte miterleben, wie der Chor immer größer und erfolgreicher wurde, die Reisen größer und die Projekte anspruchsvoller.

Auf meiner ersten Sommerfreizeit war der Chor nicht größer als eine Schulklasse, es gab gerade einmal 5 Fußballmannschaften in denen selbst der Chorleiter mitspielen musste. Als ich den Chor verließ, belegten wir den Großteil von Jugendherbergen und in den Fußballturnieren war inzwischen eine richtige Vorauswahl mit Gruppenspielen erforderlich.

Das Wachstum machte sich langsam bemerkbar: Zuerst wurden mehr Mäntel benötigt, dann weitere Stimmbildner eingestellt, neue Kurrendegruppen gegründet und sogar eine Extragruppe für die Stimmbrüchler geschaffen. In meiner Amtszeit als Präfekt wurde der Chor schließlich so groß, dass die Probenräume endgültig gewechselt werden mussten, wozu der Christophorussaal umgestaltet wurde.

Die Teilnahme an zwei Chorwettbewerben bezeugte die stetig zunehmende Qualität des Chores, sowie die Auslandsreisen nach London und Paris, und eine geplante Reise durch Israel, von der aber wegen der damals eskalierenden politischen Lage leider abgesehen werden musste.

Die Veränderung war auch in den immer anspruchvolleren Werke sichtbar: Über Mozarts Requiem steigerte es sich über die Bach-Oratorien und -Passionen, Händels Messias und einigen Auftragskompositionen bis zu Bernsteins Chichester Psalms, die zweifelsohne den Höhepunkt meiner Präfektenzeit darstellten, zumal wir hier gemeinsam mit den Hallenser Knaben und einem Lettischen Jugendorchester in Bremen und Halle konzertierten. Den Höhepunkt meiner Knabenchorzeit aber stellte eindeutig der Auftritt beim Staatsakt des 50‑jährigen Jubiläums der Bundesrepublik im Reichstag in Berlin dar: vor der politischen Elite Deutschlands live im Fernsehen zu singen, das werde ich wohl nie vergessen. Allein das Drumherum: Auf Staatskosten im Vier-Sterne-Hotel wohnen, sich in den Konferenzräumen der Minister einsingen, mit speziellen Ausweisen die Sicherheitskräfte passieren und von Henning Scherf persönlich durch den umgestalteten Reichstag und die neue Kuppel geführt zu werden.

Nach acht Jahren im Knabenchor ist mir eine Fülle an Erfahrungen und Eindrücken geblieben, die mich deutlich geprägt haben. Viele Freundschaften haben sich über diese Zeit hinaus erhalten und auch das Chorsingen als ein Gegengewicht zum Alltag und eine Gelegenheit, mit anderen Menschen zu musizieren und in Kontakt zu treten, begleitet mich weiterhin. Mein persönlicher Wunsch für alle Sänger des Knabenchores wäre es, dass jeder von ihnen soviel von dieser Erfahrung für sein späteres Leben mitnehmen kann, wie es für mich der Fall war.

Enno Charton


„Wie perfekt muss ein Präfekt sein“?

Wenn ich auf die Reihe der Präfekten zurückblicke, die ich in neun Jahren Chorzugehörigkeit erleben konnte, und mich in dieser Reihe sehe, fallen mir sofort zwei Einzelheiten auf: Ich war der Präfekt mit der kürzesten Amtszeit (9 Monate) und bei mir fing es gleich mit einem Missgeschick an, als ich mich beim Fußballturnier auf Burg Hessenstein in der Sommerfreizeit 2003 am Knie verletzte.

Wegen der nachfolgenden Operation hegte ich die trügerische Hoffnung, dass nun zumindest keine Bundeswehr-Zeit zu befürchten sei, und machte deswegen auch keine besonderen Vorbereitungen für eine Zivildienststelle.

Es kam wie es kommen musste: Direkt nach dem Abitur erhielt ich Ende Juni 2004 aus heiterem Himmel mit einer Frist von sieben Tagen meine Einberufung zur Luftwaffe nach Goslar im Harz, und damit war nicht nur meine Abwesenheit beim Sommerkonzert besiegelt, sondern es traf auch unser A-Capella-Sextett mitten in den Vorbereitungen für ein neues großes Konzert.

Die Entstehung dieser chor-internen Sängergruppe hatte sich ja während der Sommerfreizeit 2003 in der Vorbereitung auf ein Geburtstagskonzert für eine der mitfahrenden Knabenchormütter angebahnt, als Jonas Blüthgen, Simon Carstens, der scheidende Präfekt Enno Charton, Moritz Lippmann, Johannes Nanninga und ich, so war die Besetzung damals, einige Stücke sangen.

Durch den Applaus beflügelt entwickelte sich "A-Chording" rasant, zunächst mit kleineren Auftritten in der Weihnachtszeit, dann mit einem großen Faschingskonzert. Nach dem Mitschnitt bei Radio Bremen folgte im Mai 2004 der 2. Preis in der bundesweiten Prämierung von "Jugend musiziert" im fernen Schwarzwald, und bis heute gibt es die erfolgreiche Fortsetzung als Quintett.

Also Erinnerungen mit Highlights und Handicaps - das leitet denke ich gut über zu einem abschließenden kleinem Spot, eine hier leicht übertriebene Zusammenstellung zu der Frage "Wie perfekt müsste eigentlich ein Präfekt sein?"

Fangen wir gleich mit der Vorbildfunktion an, mit der ein Präfekt für jeden Chor- und Kurrendeknaben als Anregung dienen sollte: Pünktlichkeit, Leistungsbereitschaft, Kameradschaft - manchmal Kleinigkeiten! Ich denke gern daran, wie mir als einem der Jüngsten auf der Konzertreise nach London Präfekt Philip Lüsebrink den Koffer tragen half, und der Weg zum Jugendhotel war endlos lang ...

Natürlich sollte sich der Präfekt auch sonst als Leitfigur zeigen: Nichtraucher, Nicht-Alkoholiker (über 12 Umdrehungen) und vor allem Sportbegeisterung. Im Fünferrat und in Freundschaften auch zum vorherigen und zum nachfolgenden Präfekt tut sich ein weites Feld für Muster-Eigenschaften auf: Rat suchen, Erfahrungen weiter geben, zusammen feiern und einen festlichen Rahmen mitgestalten können, kleine Geschenke besorgen, Ideen haben.

In musikalischer Hinsicht sollte der Präfekt natürlich auch mit einem Instrument brillieren können - etwa im Bremer Jugendsinfonieorchester – und zudem gelegentlich in der Staatsoper singen, damit z.B. auch weiterhin dank des Einsatzes unserer Jungenstimmen keine Sängerknaben aus Bad Tölz zur "Zauberflöte" engagiert zu werden brauchen.

Nicht zuletzt ist Initiative bei der Planung von Konzertreisen eine wichtige Eigenschaft für einen perfekten Präfekten - auch wenn er letztendlich nicht mehr mit dabei sein kann. Ich wünsche dem Bremer Knabenchor Unser Lieben Frauen, den jetzigen jüngsten und den mit mir nun erwachsenen Sängern eine erfolgreiche Jubiläumsfeier, für die Zukunft weiterhin exzellente Förderung auf allen Ebenen, gute Stimmen und immer gute Stimmung, und vor allem: noch viele weitere Jahre mit großer Musik.

Christoph Hartog

(z. Zt. Medizinstudium an der Universität Lübeck)


„11½ Jahre Knabenchor – ein unverzichtbarer Lebensinhalt“

Seit meiner ersten Chorprobe im Januar 1994 sind nunmehr 11½ Jahre vergangen – weit mehr als mein halbes Leben. Eine solche Zeit prägt einen natürlich, besonders, da sie noch nicht vorüber ist.

Zu Beginn meiner Chorkarriere stand noch der gemischte Kinderchor, den ich durchlaufen musste, bevor ich in die Kurrende kam. Das erste große Werk, welches ich mit dem Knabenchor aufführen durfte, war die Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart im Jubiläumskonzert zum 50. Gründungstag. (Als Kurrendejunge durfte ich damals eigentlich noch nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen, schummelte mich aber doch irgendwie zu den „Großen“ dazu.)

Führt man sich vor Augen, mit welcher Leichtigkeit die Krönungsmesse im Frühjahr des vergangenen Jahres vom Chor erlernt wurde, sieht man schon deutlich die enorme Qualitätssteigerung, die unter Ansgar Müller-Nanninga stattgefunden hat: Bereits zum dritten Mal in Folge haben wir uns jüngst für den Deutschen Chorwettbewerb qualifiziert, der 2006 in Kiel stattfinden wird. Die Hoffnungen, dass wir dort unter den besten fünf (teilnehmenden) Knabenchören Deutschlands mehr als nur den fünften Platz belegen, sind sehr groß und durchaus berechtigt.

Der hervorragenden musikalischen Ausbildung im Rahmen der Chorarbeit sind sicherlich auch die neu gegründeten Ensembles BIC und A-Chording zu verdanken, die in der Lage sind, ohne einen studierten Leiter beachtliche Erfolge zu erzielen (z. B. einen 2. Bundespreis bei „Jugend musiziert“). Die Formierung solcher Gruppen wäre sicherlich ohne die Ausbildung im Knabenchor und das große Engagement der Chorleitung undenkbar gewesen.

Nicht zuletzt sind alle BICs und A-Chordings dem Knabenchor bis heute treu geblieben, was belegt, dass Ansgar es auf eine bewundernswerte Weise schafft, uns für die Musik zu begeistern und bei der Stange zu halten. Danke dafür!

Mit der angesprochenen Qualitätssteigerung ging eine massive Quantitätssteigerung einher, die nicht abzureißen scheint, sondern beinahe schon problematische Ausmaße annimmt. Deutlich wird dies vielleicht an einem unmusikalischen Beispiel: Auf meiner ersten Chorfreizeit im Sommer 1995 gab es genau ein „offizielles“ Fußballspiel: Mannschaft A spielte gegen Mannschaft Alpha. Die Teilnehmerzahl dürfte sich demnach auf etwa 30 Jungs belaufen haben. Auf der Sommerfreizeit 2004 galt es, das mittlerweile traditionelle Turnier mit 67 Jungen in 14 Mannschaften und 33 Spielen zu organisieren; 2005 waren es über 90 Jungen in 16 Mannschaften.

Ich persönlich konnte dieses Wachstum (fast) von Anfang an miterleben und wurde beim letzten Sommerkonzert durch ein Geburtstagsständchen aus den Kehlen von 120 Knabenchörlern (plus ca. 400 Zuhörer) überrascht und beglückwünscht, was doch sehr beeindruckend war.

Dies verdeutlicht das Wachstum, nicht aber die eigentliche Problematik: Der Chor wird schon fast zu groß. Individuelle Stimmbildung, Betreuung durch den Chorleiter, passende Westen, Chormäntel und Superpellizien sind in absehbarer Zeit nicht mehr leistbar bzw. vorhanden. Im dadurch angestoßenen Überlegungsprozess hat sich noch keine Ideallösung gefunden, aber ich bin zuversichtlich, dass dieses Luxusproblem den Chor nicht zerreißen wird.

Doch nicht nur der musikalische Weg prägt die Knabenchorzeit, sondern ganz entscheidend auch die menschliche Komponente. Die Struktur mit verschiedenen Altersgruppen vom „Mädchen-sind-doof-Alter“ über den Stimm- und geistigen Umbruch in der Pubertät, in der produktives Miteinander mit Gleichaltrigen sonst oft zu kurz kommt, bis zu weitestgehend selbstständigen Zivis fordert und fördert alle gleichermaßen.

Selbst zähle ich mich mittlerweile zur letztgenannten Gruppe und stelle immer wieder fest, wie viel Spaß es macht, die „Kleinen“ wachsen zu sehen, ihnen zur Seite zu stehen, aber auch immer wieder Grenzen aufzuzeigen.

Diesen Satz von einem nicht mal 20-jährigen geschrieben zu lesen wirkt vielleicht auf den ersten Blick komisch, zeigt aber denke ich ganz klar, wie sehr der Chor von seiner Alterstruktur lebt: Die Jüngeren haben Vorbilder und Stützen zur Seite, an denen sie sich messen, um ein paar Jahre später selbst in deren Rolle zu schlüpfen.

In der Zeit nach meinem Eintritt bestand der Fünferrat aus jungen Männern, die doppelt so alt wie ich und dementsprechend – zumindest in meinen Augen – mir meilenweit voraus waren. Inzwischen spreche ich selber allmonatlich das „Gebet des Präfekten“ in der Vesper und neue Herausforderungen erwarten mich im nächsten Herbst. Die sozialen Kompetenzen, die ich im Knabenchor (zum Glück) unweigerlich erworben habe, werden mir das Leben „danach“ sicherlich erleichtern.

Abschließend bleibt zu wünschen, dass eine realisierbare Dauerlösung zur Leitung eines Chores mit über 170 Mitgliedern gefunden wird, dass Ansgar dem Knabenchor noch mindestens weitere 10 Jahre erhalten bleibt und dass die neuen Herausforderungen erfolgreich gemeistert werden. Doch auch in dieser Hinsicht sind meine Hoffnungen groß und durchaus berechtigt.

Simon Carstens, 19 Jahre, aktiver Präfekt des Knabenchores seit Juli 2004


Erinnerungen an Harald Wolff

I.

Harald Wolff war gerade 40 Jahre alt, als er am 14. September 1945 einen Knabenchor an der alten Kirche des Rats der Freien Hansestadt Bremen gründete. Runde Geburtstage des Chors sind seitdem auch immer runde Geburtstage seines ersten Leiters. Es liegt deshalb nahe, sich in dem Jahr, in dem der Chor sein 60jähriges Jubiläum feiert, an dessen Gründer und langjährigen Leiter zu erinnern. Diese Erinnerungen knüpfen an die Beiträge von Hinrich Stoevesandt, Borchert Haake und mir an, die vor zehn Jahren in einem Festheft zum 50jährigen Bestehen des Chores veröffentlicht wurden, und in denen über die ersten dreißig Jahre des Knabenchors berichtet wurde. Sie stützen sich auf die wohl 1970 entstandene Aufzeichnung von Wolff mit dem Titel „Musica res severa. Aus der Geschichte des Knabenchores von Unser Lieben Frauen in den Jahren 1945 bis 1970“ und auf eigene Erinnerungen. Gegliedert habe ich sie in einen kurzen Abriss des Lebens von Wolff, eine Darstellung seiner Ziele und in Hinweise auf die wichtigsten von Wolff mit dem Knabenchor aufgeführten Werke sowie sein kompositorisches Schaffen.

II.

Wolff kam am 23. August 1905 vor den Toren Hamburgs zur Welt. Sein Vater, dessen Familie aus Norddeutschland stammt, war Professor für Geologie. Die Jugend verbrachte Wolff in Berlin-Frohnau. Schon in jungen Jahren entschloss er sich, Kirchenmusiker zu werden. Seine Ausbildung für diesen Beruf erhielt er in Berlin an der Preußischen Akademie der Künste beim Domorganisten Fritz Heitmann, der in Wolff die Begeisterung für die Orgel weckte. Zu seinen Berliner Lehrern gehörte weiter Arnold Schering, der an der Berliner Universität Musikgeschichte unterrichtete, sich Verdienste um eine historische Aufführungspraxis alter Musik erworben und u.a. auch über Josquin des Préz publiziert hatte. Vielleicht war es Schering, der in Wolff das Interesse an dem großen Niederländer weckte, dessen Messe über den Fronleichnamhymnus „Pange lingua gloriosi“ der Knabenchor in den 50er Jahren mehrfach aufführte.

In die Hansestadt an der Weser kam Wolff in den frühen dreißiger Jahren. Seine erste Anstellung erhielt er an der Friedenskirche in der Humboldtstraße. 1935 heiratete er Hildur und in diesem Jahr nahm er eine Stelle als Organist und Kantor an Liebfrauen an. An dieser Kirche wirkte er 37 Jahre bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden im Jahr 1972. Gleich nach seinem Dienstantritt gründete Wolff die Bremer Kantorei, den ersten gemischten Chor an Liebfrauen. Mit diesem Chor richtete er Vespergottesdienste ein. Diese Gottesdienste waren der Gemeinde fremd und zunächst wohl auch für sie befremdend, bis sie später zu einer festen Tradition des kirchlichen Lebens in Liebfrauen wurden. Unterstützung bei seiner Arbeit in einer Gemeinde, die der Gleichschaltungspolitik des Nationalsozialismus widerstanden hatte, fand Wolff durch den liturgisch interessierten Pastor Walter Jeep und später auch durch Pastor Gustav Wilken.

Am stärksten mit dem Wirken von Wolff verbunden ist der Knabenchor. Schon vor dem Krieg hatte er die Absicht, an Liebfrauen einen solchen Chor zu gründen. Dabei leitete ihn die Überzeugung, dass die Vokalmusik der Reformationszeit besser mit einem Knaben- als mit einem gemischten Chor zu realisieren sei. Die Vereinnahmung junger Menschen im NS-Regime, der 2. Weltkrieg mit der von der HJ organisierten Kinderlandverschickung und Wolffs Dienst in der Wehrmacht standen der Realisierung dieses Plans entgegen. Es war wohl auch der Krieg, der Wolff daran hinderte, das Projekt einer Dissertation über Maurizio Cassati zum Abschluss zu bringen, der im 17. Jh. als Organist, Kapellmeister und Komponist an San Petronio in Bologna gewirkt hatte.

Nach Kriegsende und Rückkehr aus Kriegsgefangenschaft konnte Wolff dann das Projekt der Gründung eines Knabenchors verwirklichen. Er machte sein Vorhaben im Bekanntenkreis bekannt, und am 14. September 1945, einem Freitag, begann er die Probenarbeit mit drei Schülern des Alten Gymnasiums. Probenraum in den ersten Monaten war das Wartezimmer in der Praxis des Arztes und Theologen D. Dr. med. Karl Stoevesandt in der Kohlhökerstraße 56. Probenraum für den Chor wurde dann bald der Brautsaal in der Kirche. Der Aufbau des Chors machte rasch Fortschritte, und am ersten Heiligen Abend nach dem Krieg sangen bereits 40 Jungen im Gottesdienst. Unterstützung bei seiner Arbeit fand Wolff durch die Volkmann-Stiftung, die Wilhelm Volkmann zum Andenken an seinen im Krieg gefallenen Sohn Richard gegründet hatte. Unterbrochen wurde die Chorarbeit durch einen schweren Fahrradunfall, der Wolff 1945/46 zu einer mehrmonatigen Pause zwang. In dieser Zeit mussten Harald und Hildur den Tod ihres Sohns Christian beklagen, der an einer Hirnhautentzündung starb, als Wolff im Krankenhaus lag.

Entlastung fand Wolff bei seiner kirchenmusikalischen Arbeit an Liebfrauen bald durch Gebhard Kaiser. Die Stelle für einen zweiten Organisten war geschaffen worden, nachdem an Liebfrauen nach dem Bau des Gemeindehauses am Schwachhauser Ring zwei sonntägliche Gottesdienste stattfanden. Kaiser übernahm den gemischten Chor und baute einen Mädchenchor auf, dessen Leitung bald Karin Baldenius übertragen wurde. Ein Bläserchor, der den Chor auf einigen Reisen begleitete, erweiterte das Spektrum der Kirchenmusik an Liebfrauen. Zeitweise war Wolff auch für die kirchlichen Bläserchöre in Bremen verantwortlich. Erwähnt sei noch, dass Wolff neben seinem Amt als Kirchenmusiker in den Jahren nach dem Krieg Musikunterricht an der Oberrealschule an der Hermann-Böse-Straße erteilte.

Für den Organistendienst in Liebfrauen nutzte Wolff nach dem Krieg zunächst seine Hausorgel, nachdem die Orgel der Kirche 1944 bei einem Bombenangriff zerstört worden war. Einig war sich die Gemeinde, dass dieses Provisorium abgelöst werden musste. Die Anschaffung einer neuen Orgel ist für eine Kirchengemeinde nicht nur mit einer finanziellen Belastung verbunden. Sie stellt auch Anforderungen an ihre Fähigkeit, bei der Auswahl der Orgelbaufirma zu einem Konsens zu gelangen. In die engere Wahl kamen die Firmen Ott aus Göttingen und Steinmeyer aus Oettingen. Im Gedächtnis geblieben ist mir die Süddeutsche Firma wegen eines bonmot des Druckers Hans Brinkmann, einem Tenor im gemischten Chor, der die Alternative mit den Worten auf den Punkt brachte „Der Ott aus Göttingen oder der Gott aus Oettingen“. Die Gemeinde entschied sich für den Göttinger Orgelbauer, der 1953 ein Instrument mit einer mechanischer Traktur baute, das sich bis heute bewährt hat.

Über Wolffs Wirken an Liebfrauen, die Entwicklung des Knabchors, dessen Freizeiten und Reisen bis zu seinem Ausscheiden aus dem Dienst an Liebfrauen ist in den Beiträgen im Festheft zum 50jährigen Bestehen des Chors ausführlich berichtet worden. Wir wollen nun noch einen kleinen Blick auf die fast 25 Jahre seines Ruhestands werfen. Wolff hatte die Altersgrenze von 65 Jahren um mehr als ein Jahr überschritten, als er 1972 aus dem Dienst an Liebfrauen ausschied. Den Ruhestand verbrachten Harald und Hildur in Hasbergen, wo sie sich ein der dörflichen Umgebung angepasstes Anwesen mit einem unverbauten Blick in die Natur errichtet hatten. Der Verzicht auf das Haus in der Elsa-Brändström-Straße, das die Familie 1952 bezogen hatte, und der Wegzug aus Bremen können wohl als Ausdruck des Wunsches nach einer Distanz zur früheren Wirkungsstätte gewertet werden, die später allerdings überwunden wurde. In seinem Ruhestand versah Wolff den Organistendienst in Kirchen um Delmenhorst. Auch leitete er wieder einen Chor. Für den Orgeldienst in Gemeinden, die nicht über Stellen für an Hochschulen ausgebildete Kirchenmusiker verfügten, verfasste er Choralblätter zu den Liedern des Evangelischen Gesangbuchs, deren Ziel es war, „ein sauberes, zweckentsprechendes, wenn auch sehr einfaches gottesdienstliches Orgelspiel zu erreichen mit eindeutiger Vorbereitung der Gemeinde durch die Intonation und sicherer, durch den Pedalbass gut gestützter Begleitung beim Singen“. Sein Orgelspiel wurde ihm zunehmend erschwert durch eine Arthrose. Einen Einschnitt in sein Leben bedeutete für ihn der Tod seiner Frau im Jahr 1986. Wichtig wurden für ihn in den letzten Jahren seines Lebens Zuwendung und Fürsorge seiner Tochter Agneta, die mit ihren Kindern im elterlichen Haus in Hasbergen lebte. Im April 1997 erlitt Wolff einen schweren Schlaganfall, an dessen Folgen er nach drei Wochen am 2. Mai im 92. Lebensjahr in seinem Haus in Hasbergen starb. Am 7. Juni 1997 sang der Knabenchor in einem Vespergottesdienst zum Gedenken an seinen Gründer. Eberhardt Groscurth begrüßte die Gemeinde und Gottfried Sprondel würdigte in seiner Predigt über die Verse 11-14 aus dem 5. Kap. des 2. Buchs der Chronik Leben und Wirken Wolffs. Der Knabenchor und seine Ehemaligen sangen Sätze von Wolff, die Motette "Also hat Gott die Welt geliebt" von Schütz und aus dessen Exequien „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren.“ Den Orgeldienst versah Gebhard Kaiser.

III.

Welche Ziele verfolgte Wolff mit seinem Dienst an Liebfrauen? Was kennzeichnete das „Programm“, das er in Bremen für seine kirchenmusikalische Arbeit entwickelte und gegen Widerstände in weitem Umfang durchsetzen konnte? Um seine Vorstellung von der Funktion der Musik in der Kirche verstehen zu können, müssen wir uns in die Zeit nach dem ersten Weltkrieg hineinversetzen, in der die evangelische Kirche sich nach dem Ende des landesherrlichen Kirchenregiments aus der staatlichen Umklammerung lösen, zu sich selbst finden und sich selbst organisieren musste. In diese Zeit reichen die Anfänge des Berneuchener Kreises, aus dem die 1931 gegründete Michaelsbruderschaft hervorging. Deren Ziel war eine Neugestaltung der Kirche durch eine Gemeinschaft im Gebet, in der Feier des Sakraments, im Lesen der hl. Schrift und im brüderlichen Zusammenleben. In seiner Arbeit mit dem Knabenchor „missionierte“ Wolff zwar nicht für die Bruderschaft, verleugnete seine Prägung durch diese Kommunität jedoch nicht und versuchte, Impulse aus dieser Bewegung in Liebfrauen umsetzen. Dazu diente ihm in erster Linie der Knabenchor, mit dem er seine pädagogischen, musikalischen, aber auch kirchlich-theologischen Zielvorstellungen in der Gemeinde mit einem Chor zu verwirklichen versuchte, deren Sänger er, wie er in seinen Erinnerung schrieb, mit Chorsingen und Chordienst zur Kirche erziehen wollte. Aus diesem Chor wollte Wolff eine Gemeinschaft mit einem Auftrag bilden, dessen Erfüllung die Knaben mit einer „Verpflichtung“ zusagen sollten. In dieser hieß es: „Ich trete dem Knabenchor von Unser Lieben Frauen als tätiges Mitglied bei. Ich will mich bemühen, den Chor nach Kräften zu fördern. Ich will an dem Dienst und den Übungen des Chores regelmäßig und pünktlich teilnehmen, soweit nicht meine Pflichten in Familie und Schule mich daran hindern.“ In einer nach einer nicht konfliktfreien Chorfreizeit in Altenberg bei Köln 1955 eingeführten Ordnung des Knabenchors wurden der Auftrag des Chores beschrieben, die Pflichten der Chormitglieder definiert, das Verhältnis von jüngeren und älteren Chormitgliedern durch ein System von Mentoren geregelt und das Amt des Präfekten und der Adjunkten eingeführt, die den Leiter des Chores in seiner Arbeit unterstützten sollten. Dem Zusammenhalt des Chores diente weiter die noch heute getragene Chorkleidung, bestehend aus schwarzen Mänteln, die dem Chor von einer Gemeinde in Rochester, New York, geschenkt worden waren, und weißen Superpellizien, von den Chormitgliedern verballhornt Superpellen genannt.

Wichtig für Zusammenhalt und musikalisches Niveau des Chores wurden die jährlichen Freizeiten, die in der Regel zur Vorbereitung auf Auslandsreisen im Herbst durchgeführt wurden. Die näher bei Bremen gelegen Orte Neuenkirchen (1947), die Schullandheime Gerdhütte Bürstel bei Gandekesee (1951) und Verdener Brunnen in Verden (1952) und die Jugendherberge Syke (1953) wurden mit dem Fahrrad erreicht. Das geistliche Leben in den Freizeiten wurde geprägt durch das Stundengebet mit Morgenlob, Mittagsgebet, Abendsegen und Nachtgebet (Complet). Zu den Mittag- und Abendessen wurde vorgelesen, überwiegend Texte mit geistlichem Inhalt wie etwa Berichte über Heilige aus dem Buch „Die Wolke der Zeugen“ von Jörg Zink. Am Vor- und Nachmittag wurde geprobt. Vor dem Frühstück gab es einen Waldlauf, und Entspannung fanden die Jungen im Fußball- und Kartenspiel, wobei sich vor allem der “Doppelkopf“ einer großen Beliebtheit erfreute. Mit den Freizeiten versuchte Wolff seine Vorstellungen von einer vita communis zu verwirklichen. Zu dieser hätte auch ein fester Standort für die Freizeiten gehört, von dem einige Zeit geträumt werden durfte. Das Vorhaben, auf einer Insel im zwischen Gardasee und Comer See gelegenen Lago d´Iseo dem Chor eine feste Heimstatt zu geben, blieb allerdings ein Traum. In den 60er Jahren konnte jedoch im Kloster Möllenbeck bei Rinteln ein Jugendheim eingerichtet werden, das dem Chor für einige Jahre für seine Freizeiten zur Verfügung stand.

Nicht hinwegzudenken aus Wolffs Wirken ist sein Engagement für die Ökumene, das den Chor häufig ins Ausland führte, wobei das katholische Ausland mit den Fahrten nach Rom im Jahr 1952 mit einer nicht geplanten und in Bremen Anstoß erregenden Privataudienz bei Papst Pius XII., der Teilnahme an einem internationalen, aus Anlass des 400. Geburtstags von Luca Maurenzio ausgeschriebenen Chorwettbewerb in Rom (1953) und einer dritten Italienfahrt nach Rom und Neapel (1961) nicht ausgespart blieb. Einen Schwerpunkt von Wolffs ökumenischem Engagement bildete die Gründung der Ecumenical Fellowship of Boys Choirs in Worship, die dem Chor Kontakte nach England, Holland, Frankreich, Italien, Dänemark, Schweden und Norwegen vermittelte. Vorsitzender der Fellowship war der Wolff und dem Knabenchor seit der ersten Hollandfahrt im Jahr 1954 verbundene Pastor Wibe Vos aus Mensingerweer. Wolff wurde ihr Sekretär. Das erstes Ökumenische Chortreffen fand in Bremen 1955, weitere Treffen 1958 in Uppsala, 1961 in Rotterdam, 1965 wieder in Bremen, 1969 in Herning und 1972 in Edinburg statt. Meines Wissens wurden diese Treffen nach dem Ausscheiden von Wolff aus dem Dienst an Liebfrauen nicht mehr fortgesetzt.

Wolffs Programm konnte nicht auf Anhieb Wohlwollen oder gar Unterstützung einer konservativ geprägten Kirchengemeinde finden. Diese Gemeinde für sein Verständnis der Funktion von Kirchenmusik zu gewinnen und sie davon zu überzeugen, dass es ihm dabei nicht um eine „Katholisierung“, sondern um den authentischen Auftrag einer am Verkündigungsauftrag der Kirche ausgerichteten musikalischen Arbeit ging, kostete ihn viel Kraft. Hilfe fand er dabei nicht nur bei seiner tatkräftigen Frau, sondern auch bei Mitgliedern der Gemeinde und vor allem bei den Eltern der Sänger. Unterstützung fand er auch bei einigen Pastoren von Liebfrauen. Dabei fallen mir die Namen von Gustav Wilken und Gottfried Sprondel ein.

IV.

Bei der Auswahl der Werke, die Wolff mit dem Knabenchor aufführte, orientierte er sich an der gottesdienstlicher Funktion evangelischer Kirchenmusik und den Möglichkeiten eines Knabenchors, dem die Aufführung großer romantischer Werke wie etwa der Oratorien von Mendelsohn verwehrt ist. Das musikalische Spektrum des Chors war dennoch groß genug. Es reichte von der Musik des Mittelalters, der Renaissance und des Barock bis in die Moderne. In Erinnerung geblieben sind mir aus der Epoche des Spätmittelalters die schwierige Messe de Notre Dame von Guillaume de Machault aus dem 14. Jh. und aus der Zeit der Renaissance die erwähnte Missa pange lingua von Josquin, die Wolff teilweise instrumentiert hatte. Im Mittelpunkt der Chorwerke des 17. Jh. stand das Werk von Heinrich Schütz, der Ende des 19. Jh. wiederentdeckt worden war. Eine Kopie des Altersbilds hing in Wolffs Wohnung in der Elsa-Brändström-Straße. Neben den Kleinen geistlichen Konzerten und den Motetten gehörten über viele Jahre zum Repertoire des Chores die Johannes- und Matthäus-Passion sowie die Weihnachtshistorie von Schütz. Wenn es irgend ging, bestritt Wolff dabei die solistischen Partien mit Kräften aus dem Chor. Die (von der heutigen Kirchenmusikergeneration wohl nur noch am Rande zur Kenntnis genommne) „klassische Moderne“ der evangelischen Kirchenmusik nach dem 2. Weltkrieg war im Programm des Chores vor allem mit Distler, Drießler, Pepping, Reda, Bornefeld, David und Raphael vertreten. Die Aufführung des „Glaubensbekenntnisses“ dieses Komponisten in der Kirche von Oberneuland wurde von Radio Bremen mitgeschnitten, das sich schon früh für den Chor interessiert hatte. Weitere Werke des 20. Jh. waren die Messe für gemischten Chor und doppeltes Bläserquintett von Strawinsky und Kompositionen von Britten wie etwa die Christmas Carols. Als Organist schätze Wolff neben Johann Sebastian Bach vor allem seine norddeutschen Landsleute Dietrich Buxtehude und Vincent Lübeck.

V.

Wolff ergänzte und bereicherte dieses Repertoire durch eigene Werke. Dabei orientiere sich sein Schaffen an der Funktion und den Möglichkeiten einer Kirchenmusik an Liebfrauen. Das erste größere Werk aus seiner Feder war eine wohl 1946 entstandene Weihnachtsgeschichte. Mehrfach wurden seine Ostergeschichte und eine Stephanuskantate aufgeführt. Bei der Suche nach von Wolff komponierten Liedern blättere ich in einer wohl aus den frühen 50er Jahren stammenden Ausgabe des Gesangbuchs für die Evangelische Kirche in Bremen und finde dort die Vertonungen der Lieder von R. A. Schröder „Komm uns noch einmal segnen“ und „Ich hab ein Wort gefunden“ sowie des Lieds „Du kennst sie all mit Namen“ von Lotte Denkhaus. Erwähnt seien weiter der Hymnus „Herr, Dir will ich befohlen sein“, die Psalmenmotette „Sei mir ein starker Fels“, die kleine Kantate „Wir wollen singen ein´ Lobgesang,“ und spontan fällt mir das schöne und schlichte, von R.A. Schröder gedichtete Abendmahlslied „Brich uns Herr, das Brot“ ein. Meines Wissens sind die Kompositionen von Wolff nie gedruckt worden. Seine Werke blieben jedoch erhalten, und dies nicht nur in den Manuskripten, sondern auch auf Tonbändern, die später auf Compact Disks überspielt wurden.

VI.

Wolff war ein Mensch, der sich mit allen Kräften für sein Ziel einsetzte, den evangelischen Gottesdienst durch eine Musik zu bereichern, die ihrer Funktion für den Gottesdienst gerecht werden und jungen Menschen die Liebe zur Musik und ein Gespür für deren kirchliche Funktion vermitteln sollte. Dafür sind ihm die Gemeinde von Unser Lieben Frauen, vor allem aber die vielen Jungen dankbar, die von 1945 bis 1972 im Knabenchor gesungen haben.

Wolff hat für seine Ziele gekämpft und dieser Kampf hat ihn viel Kraft gekostet. In den letzen Jahren seines langen Lebens äußerte er sich gegenüber denen, die ihn in Hasbergen aufsuchten, jedoch zufrieden und dankbar dafür, dass er viele seiner Ziele erreicht und jungen Menschen den Weg zur Musik und zur Kirche geöffnet hatte. Und wenn man nach den Anekdoten und Witzen, die er auch im Alter gern erzählte (und über die er selber am meisten lachte), in den Gesprächen über die Zukunftsperspektiven von Knabenchören bisweilen einen resignativen Unterton vernehmen konnte, so hat ihn die Entwicklung widerlegt. Dies zeigt nicht zuletzt die anhaltende Bereitschaft Bremer Knaben, einen Dienst für die Kirche in einem Chor zu versehen, dem Wolff ein Profil gegeben hat, das nach 60 Jahren auch dann noch deutlich erkennbar ist, wenn seine beiden Nachfolger ihren Interessen, Begabungen und Zielverstellungen gemäße eigene Wege gegangen sind.

Prof. Dr. Ernst-Lüder Sollte


Vortrag Halbjahresdiakonie, 20. März 1998, Stadtwaage

Knabenchor zwischen Kadettenanstalt und Lust am Singen

(Wobei die Lust am Singen einen erfreulich breiten Raum einnehmen wird und die Kadettenanstalt nur in einem Nebensatz Erwähnung findet.)

Hab oft im Kreise der Lieben im duftigen Grase geruht /
und mir ein Liedlein gesungen und alles war hübsch und gut.

Hab einsam auch mich gehärmet in bangem, düsteren Mut, /
und habe wieder gesungen, und alles war wieder gut.

Und manches, was ich erfahren, verkocht ich in stiller Wut, /
und kam ich wieder zu singen, war alles auch wieder gut.

Sollst uns nicht lange klagen, was alles dir wehe tut, /
nur frisch, nur frisch gesungen, und alles wird wieder gut.

Ach, wenn es doch alles so leicht wäre! Was hier Adalbert von Chamisso Anfang des 19. Jahrhunderts dichtete – Friedrich Silcher hat diesen Worten eine wunderbar liebliche Melodie gegeben – wirkt für unsere Ohren romantisch verklärt. Wir haben dieses Lied im Knabenchor gerne und oft gesungen, vielleicht weil eine Kraft des Singens, eine Wirkung des gesungenen Wortes beschrieben ist, die – auch heute noch – glaubhaft scheint; die Lust am Singen in Gemeinschaft (1. Vers), die reinigende Kraft für die Seele (2. Vers) und den Abbau von Aggressionen durch Singen (3. Vers).

Ich kenne dieses Phänomen auch: Da singt einer stundenlang vor sich hin und weiß genau, er ist sein einziger Zuhörer. ‚Der singt seine Sorgen, seine Freude heraus‘, würden wir dies kommentieren. Würde aber jemand ebenso lange Selbstgespräche führen, wir würden an seinem seelischen Gleichgewicht zweifeln.

Singen scheint also der Sprache als Ausdrucksmittel der Seele überlegen zu sein. Die Bedeutung von Singen (von Musik überhaupt) liegt darin, dass sich eine Person mit ihrer Hilfe auf eine spezielle Weise ausdrückt. Wie das Wort Ausdruck (von Expression = Hinauspressen) sagt, handelt es sich um die Fähigkeit, innerpsychische Spannungen nach außen abzuführen und zu gestalten.

Musik, insbesondere das Singen, ist der intensivste emotionale Ausdruck, den sich Menschen in ihrer Kultur geschaffen haben.

Und dabei fällt mir auf, dass in unserer Sprache (verräterisch, wie so oft) sehr viele Sprachwendungen, Sprichwörter, Zitate, Metaphern, Slogans, die Beziehung zwischen menschlichen Verhalten und Singen beschreiben: „Der Ton macht die Musik“, „Singe, wem Gesang gegeben“, „Wo man singt, da laß dich ruhig nieder“, „Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen“, „Wes Brot ich eß, des Lied ich sing“, „Den een sin Uhl is den annern sin Nachtigall“ und so fort.

Ich möchte an dieser Stelle einen Schritt zurück gehen, noch vor die sozialen Einflüsse und kulturellen Lernprozesse. Der Mensch zeigt den Beginn seiner extrauterinen Existenz mit einem Schrei an. (So drücken es die Entwicklungspsychologen aus; ich habe diese Erfahrung auch gemacht, würde aber etwas schlichter formulieren: Wenn’s Baby da ist, dann plärrt’s.) Alle höher entwickelten oralen Äußerungsarten, wie Sprache und Singen haben hier ihren Ursprung. Die Fähigkeit zu schreien gehört zur physischpsychischen Grundausstattung, damit ein Säugling ausreichende elterliche Fürsorge bekommt und überleben kann. Aber schon bald kommt zum Schreien eine weitere Äußerungsart, zumeist nach dem Saugen: das Lallen, offensichtlich Ausdruck eines lustvollen Behagens und Erleben des eigenen Körpers ohne irgendwelche Informationen an die Pflegeperson.

Später entwickeln sich zwischen diesen Ausdrucksarten noch das Jammern (als Vorstufe des Schreiens und Ausdruck gemäßigten Unbehagens) und im Kontrast hierzu (im Übergang zwischen Lallen und Lachen) das Jauchzen.

Dabei ist zu bemerken: Schreien wendet sich nach außen an Mutter oder Vater, es ist extrovertiert; beim Lallen handelt es sich um eine Aktivität mit sich selbst, um introvertiertes Verhalten. Gemeinsam ist beiden, dass es sich um präverbale unbewusste Prozesse handelt, denn ein Säugling vermag ja noch nicht zu sprechen.

Diese Qualität, präverbal zu sein, bleibt dem Schreien und dem wohllautenden Singen auch im erwachsenen Alter, auch dann, wenn sie von musikalischen Inhalten überlagert wird.

Als Motivation des Singens können wir also annehmen, dass der aggressive Schrei überwiegend aber das libidinöse Lallen die Basis allen menschlichen Singens darstellen.

Singt ein Kind, ein Sänger, eine Sängerin, ein Chor für andere, so sprechen sie auch bei den Zuhörern diese Urerfahrung an. Auf diesem Weg kann Singen sich zu einer sozialen Handlung ausweiten, allerdings spezieller Art, in der die andere Person nicht re-agiert, sondern co-agiert, miterlebt. Darum kann auch das Zuhören so großen Spaß machen.

Eigentlich müsste sich nun jede Person immer dann mit Lust singend äußern, wenn die Sprechstimme nicht genügt. In der Wirklichkeit sieht dies aber anders aus, denn es gibt im Laufe der Entwicklung auch eine Reihe von Hemmungsmechanismen. So kann ein Mangel an emotionaler Zuwendung im ersten Lebensabschnitt die Fähigkeit, Gefühle zu äußern, verringern und damit eine Unlust zu singen wecken. Auch sind „Sprich nicht so laut“, „Schrei nicht so“ laufende Ermahnungen der Erziehungspraxis, so dass man lernt, sich zu schämen, wenn man sich laut und heftig äußert. Wohl aus diesen Gründen vermögen die meisten Menschen am ehesten dann zu Singen, wenn sie sich unbeobachtet fühlen, sei es in der Badewanne, im Auto, im Wald, sei es, weil Alkohol die psychische Hemmschwelle tiefer gelegt hat oder sei es, weil sie mit anderen gemeinsam singen, in der Familie, in einer Gruppe, in der Kirche, im Chor. Immer aber wird Singen als lustvoll empfunden, weil es die Erlebnisse von frühkindlichen Gefühlszuständen ohne Schamhemmung weckt.

Eltern, Kindergarten und Schule ziehen sich aus der Vermittlung einer Singkultur immer weiter zurück, mehr und mehr wird dies in Institutionen verlagert, in Musikschulen, vor allem aber in die Kirchen. Und das Singen in der Kirche hat – weiß Gott – eine lange Tradition. Nur drei Punkte einer unendlich facettenreichen Geschichte abendländischer geistlicher Musik seien hier genannt:

Von den Urchristen wird berichtet, dass sie – vom baldigen Weltenende ausgehend – sich in ihren Versammlungen enthusiastisch verhielten und ihrer Erwartung in ekstatischer Weise durch Seufzen, Jubeln, Zungenreden, Weissagungen in Hymnen und Oden Ausdruck verliehen und bei den Zuhörern Gefühle von Reue, Klage, Befreiung und Beseligung hervorriefen. Viele hundert Jahre später, nachdem das Singen ausschließlich dem Klerus vorbehalten war, wurde der Gemeindegesang wiederbelebt, vielleicht auch, weil sich gesungene Glaubensinhalte viel leichter einprägten. Heute singen wir im Gottesdienst mitunter Texte, die wir wohl noch singen aber nicht mehr sprechen können.

Und diese Punkte scheinen mir nicht unwichtig in meinem Tun als Kantor an Unser Lieben Frauen und Leiter eines Knabenchores zu sein. Hier singen wir uralte Texte; Psalmen zum Beispiel, die für mich einen Ursprung unserer Literatur, unsere Sprache von Gott, unserer Religiosität darstellen; Bibeltexte, die sich dadurch, dass sie sich mit Tönen verbinden, tief in die Köpfe der Chorknaben einprägen, die Messetexte, das Requiem.

Aber dies ist nur ein Aspekt von Chorarbeit heute. Es ist darüber hinaus ein Aktivposten gegen die Klage derer, die die intensiven emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten des Singens in Elternhäusern, Kindergärten und Schulen schwinden sehen. Dass hier kaum noch gesungen wird, ist eigentlich kein Wunder: Musik ist allgegenwärtig. Und wie die Sesamstraße die erzählte Gute-Nacht-Geschichte abgelöst, so ersetzen Lautsprecher das Singen. Ich will mich jetzt nicht über die musikalische Qualität der uns ständig umgebenen Musik auslassen: sie ist sehr unterschiedlich, manchmal sogar richtig gut. Ein viel wichtigerer Aspekt ist die technische Qualität dieser Musik: die ist nämlich immer brillant. Selbst die leiseste, verhauchteste Stimme wird technisch so aufgepäppelt, dass sie rund und voluminös klingt. Niemals klingt diese Musik unrhythmisch oder in der Intonation unsauber. Wer mag dagegen den unvollkommenen, unverstärkten Klang der eigenen Stimme setzen!

Ich setze dagegen – Stimmbildung! (die ja durch die Aufwendungen der Diakonie unserer Gemeinde erst möglich wird). Denn in dem Maße, wie sich die musikalischen Ansprüche von Kindern entwickeln, wachsen gleichermaßen auch die Möglichkeiten. Durch eine von einem Gesangslehrer oder einer Gesangslehrerin vermittelte Atemtechnik, durch das Entdecken der Resonanzräume, des Stimmsitzes macht Singen Spaß. Diese Balance zwischen musikalischen Anspruch und stimmlichen Möglichkeiten ist sicher ein ganz wesentlicher Beitrag zu der so erfreulich geringen Fluktuation im Knabenchor.

Noch etwas macht mir Knabenchor wichtig. Der Knabenchor hat von allen Chorgattungen in Europa die längste Tradition. (Die Gründe dafür will ich hier nicht ausführen, sie haben sicher auch mit dem Nicht-wahrnehmen-wollen von Frauen, mit patriarchalen Gefügen zu tun und wir sind über diese tradierten Strukturen ja noch lange nicht hinweg.) Dennoch: Alle geistliche Musik bis ins 18. Jahrhundert hinein ist von ihren Komponisten als Musik für Knabenchor gedacht worden. Authentische Aufführungspraxis kommt also für Musik dieser Epochen an dem Knabenchorklang mit dem hellen und brillanten Timbre der Knabenstimmen nicht vorbei.

Und Knabenchor ist die einzige Möglichkeit für junge Männer, auf musizierender (also: emotionaler Ebene) etwas gemeinsam zu tun; zu erfahren, dass nicht Konkurrenz und Gegeneinander, sondern ein Sich-aufeinander-einlassen, das An-einem-Strang-ziehen, etwas Wunderbares entstehen läßt. Diese Erfahrung nimmt dem Knabenchor alles Nur-in-der-Tradition-verhaftet-sein, alles Antiquarische.

Dies scheint mir ein ganz wesentlicher Nutzen des Chores zu sein, etwas, was jeder Junge, jeder junge Mann aus dem Singen in dieser Gruppe ziehen wird. Dazu kommt, dass der Chor neben einer hervorragenden musikalischen Allgemein- und Stimmbildung im Erleben einer intensiven Gemeinschaft und durch seine Auftritte und Konzertreisen viele ‑ auch internationale – Möglichkeiten der Begegnung sowie der persönlichen Bestätigung vor großem Publikum bietet und dass dabei (fast) die gesamte Palette abendländische Kompositionen kennengelernt wird.

Viereinhalb Jahre Arbeit als Kantor an Unser Lieben Frauen und Leiter des Knabenchores liegen nun hinter mir. Der Anfang war nicht leicht. Das liegt – so glaube ich heute – daran, dass mein Konzept von Knabenchor, vom Umgang mit den mir anvertrauten Jungen sich in einem ganz wesentlichen Punkt von anderen Knabenchören unterscheidet. (Das sage ich nicht, weil ich meinen Weg für den allein richtigen halte, sondern für einen für mich richtigen:) Ich bin davon überzeugt, dass nicht Disziplin Musik ermöglicht, sondern gute Musik Disziplin wachsen lässt. Nicht überkommene hierarchische Strukturen, nicht die Kadettenanstalt sind notwendige Voraussetzung für gemeinsames Singen, sondern die Lust sich musikalisch auszudrücken. Und als Chorleiter möchte ich nicht Autorität haben, sondern durch meine fachliche Qualifikation aber auch durch freundliche Zuwendung Autorität sein.

Und hier schließt sich der Kreis. Ich habe versucht darzustellen, dass die Beschäftigung mit der Stimme in die allererste Kindheitsphase fällt. Erst später kommt die Stimme in Berührung mit vorgesungen Melodien, Liedern, unserer Kultur. Zuerst ist also die Lust an der Stimme vorhanden, erst dann erwacht eine Neugierde, sie zu kultivieren. Es gibt keinen Grund, dies Rangfolge in den Chorproben nicht anzuwenden.

Ansgar Müller-Nanninga, im März 1998


„Freude am Singen“!

Als Ansgar Müller-Nanninga den Knabenchor Unser Lieben Frauen übernahm, bestand dieser gerade mal aus 17 Jungen. Heute, 12 Jahre später, hat der Chor mehr als 160 Mitsänger. Es sind Jungen aus jeder Altersgruppe dabei, vom zarten Grundschulalter bis hin zum Übergang eines Teenagers zum Erwachsenen. Um den vielen Chorknaben trotzdem noch vernünftig proben zu können, ist der Chor in mehrere Gruppen eingeteilt. Die Chorknaben besuchen je nach Können und Alter entweder die Kurrendegruppen III bis I oder den eigentlichen Knabenchor. Eine einzige Probe mit allen 160 Jungen wäre wohl kaum möglich.

Doch warum hat der Knabenchor eigentlich so viele Anhänger? Weshalb besuchen so viele Jungs zweimal die Woche eine Probe und treten regelmäßig in Gottesdiensten und Vespern auf, wo es doch eigentlich ziemlich „uncool“ ist, in einem Kirchenchor zu singen, noch dazu einer, in dem nur Jungen erlaubt sind? Ein Grund ist sicher der Kontakt mit anderen Jungen des gleichen Alters. Außerdem bekommt man nirgendwo sonst eine so gute Gesangs- und Musikausbildung für umsonst. Ein weiterer Grund sind die Reisen, die man mit dem Chor unternimmt, bei denen die Musik auch mal in den Hintergrund treten kann für ein gemeinsames Fußballturnier.

Aber der Hauptgrund ist sicherlich – entgegen aller Behauptungen, dass Kirchenlieder „altmodisch“ sind – die Lust am Singen. Es gibt wohl kaum eine zweite Sache, die alle Menschen gleichermaßen Spaß macht, wie das Singen. Was gibt es Schöneres, als die neuesten Hits im Radio mitzuträllern, egal wie gut oder schlecht man singt? Singen kann man überall: im Auto, unter der Dusche, allein zu Hause, während der Hausaufgaben (- ich höre gerade „Wind of change“ von den Scorpions und singe natürlich lauthals mit -). Mit dem gleichen „Problem“ beschäftigt sich auch A-Chording, eine Gruppe bestehend aus fünf Jungs des Knabenchores, die zusammen a cappella singen. Ein Lied von ihnen heißt „Sing mit“ und handelt von der Lust am Singen. Da heißt es z. B. „Mal ehrlich, wer von euch hat heut` noch nicht gesungen?“. Es ist schwer zu beschreiben, was so faszinierend ist am Singen. Ich versuche es trotzdem: Es macht einfach Spaß! Und noch mehr Spaß macht es natürlich, wenn man in einer großen Gruppe singt.

Die Musik ist auch für einen da, wenn man schlechte Laune hat, und um sich abreagieren zu können. Wie oft schon bin ich lustlos zur Chorprobe gegangen wegen eines schlechten Schultages und Stress zu Hause oder einfach nur deshalb, weil ich „mies drauf“ war und wie oft bin ich dann nach dem Chor gutgelaunt mit einem Lachen im Gesicht und „einem Lied auf den Lippen“ nach Hause zurück gekommen und die Welt war wieder in Ordnung. Diese Art von Abregen ist besser als jeder Wutausbruch, der doch nur weitere Probleme bringt.

Deshalb ist der Knabenchor so „in“. Und es stimmt keineswegs, dass alle Kirchenlieder altmodisch sind. Es gibt viele neue und fetzige Lieder, die so richtig Spaß machen, wenn man sie entsprechend interpretiert. Ich denke da gerade an „Ich rufe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt“; dieses Lied lässt sich sehr gut in einer Jazz-Version singen. Und außerdem singt dieser Knabenkirchenchor auch weltliche Lieder wie „Yesterday“ von den Beatles oder „Brigde over troubled water“ von Simon und Garfunkel. Das hat doch sicher auch den letzten Zweifler überzeugt – oder ?

Das ist auch der Grund, warum ich bereits 9 Jahre im Knabenchor singe. Der Chor ist mein größtes Hobby. Nach einem stressigen Schultag freue ich mich auf nichts mehr als auf eine Chorprobe. Ohne den Chor würde mir heute eine Menge fehlen: Und so schließe ich ab mit dem bekannten Song der Band ABBA: „Thank you for the music“.

Maximilian Wendisch, Knabenchor – Tenor, 15 Jahre


WESERKURIER Freitag, 16. September 2005, Nr. 216

Sigrid Schuer

 

Spaß und Teamgeist geben den Ton an

Der Knabenchor der Liebfrauenkirche feiert heute
mit Mozarts „Requiem“ sein 60-jähriges Bestehen

 

BREMEN. Mit 90 Jungs auf eine Chorfreizeit zu gehen ist keine leichte Aufgabe. Für Ansgar Müller-Nanninga ist es aber ein Vergnügen. „Meine Jungs sind eben aus einem anderen Holz geschnitzt“, sagt der Leiter des Liebfrauen-Knabenchores. Denn der Chor, der am heutigen Freitag mit Mozarts „Requiem“ und Auszügen aus Arvo Pärts „Berliner Messe“ sein 60-jähriges Bestehen begeht, ist ein besonderes Kollektiv. Bürgermeister Henning Scherf unterstreicht in seinem Grußwort in der soeben erschienenen Festschrift die „Vorbildfunktion der Knabenchor-Gemeinschaft, die geprägt ist von solidarischem Verhalten, gegenseitiger Hilfe uns respektvollem Umgang miteinander“. Scherf erinnert sich selbst als Ehemaliger an die „schwierigen Nachkriegsjahre, die ich als Knirps von 10 Jahren in diesem wunderbaren Chor mitgesungen habe“. Der Chor wurde von Harald Wolff, der 2005 100 Jahre alt geworden wäre, gegründet. Er unternahm gleich nach Kriegsende mit seinen Jungs die ersten Konzertreisen in die Niederlande und nach Großbritannien. Eine Tradition, die bis heute fortgesetzt wird. Wolff und sein Nachfolger Chris Vandré führten das Chorkollektiv zu einer ersten Blütezeit. Nicht von ungefähr engagiert sich eine große Zahl von Ehemaligen, viele von ihnen heute selbst Musiker, ehrenamtlich. Der Freundeskreis zählt allein 300 Mitglieder.

Das Pensum, das innerhalb des Jubiläumsjahres gesungen wird, ist enorm. Sieben Vespern, 14 Gottesdienste, 11 Konfirmationsständchen, ein anspruchsvolles A-cappella-Programm, mit dem sich der Knabenchor „Unser Lieben Frauen“ für den deutschen Chorwettbewerb, der im nächsten Jahr in Kiel stattfindet, einmal mehr qualifizieren konnte. Dazu das Konzert auf dem Marktplatz zur 600-Jahr-Feier des Rathauses, ein Sommerkonzert, sowie jetzt das Mozart-Requiem, das heute um 20 Uhr in der Liebfrauenkirche zu hören ist. Zwei Weihnachtsliedersingen und Bachs Weihnachtsoratorium werden bis zum Ende des Jahres die Bremer Konzertlandschaft bereichern.

Beeindruckens ist auch die Bandbreite von E- bis U-Musik, die Ansgar Müller-Nanninga, seitdem der Kantor und Organist der Liebfrauenkirche den Knabenchor 1993 übernahm, mit „seinen Jungs“, im Alter zwischen 6 und 20 Jahren kultivierte. Zwar wurzelt die Chorarbeit im tradierten Repertoire der geistlichen Musik, aber es werden durchaus auch Titel wie „Alexander’s Ragtime Band“ oder John Lennons „Imagine“ gesungen. Ein Ansatz, der von den beiden A-cappella-Gruppen, die sich aus dem Chor heraus gebildet haben, weitergeführt wurde. So hat sich „A-Chording“ mittlerweile zu einer weit über die Grenzen Bremens hinaus zu einer begehrten Boygroup gemausert. Und der jüngere Nachwuchs lässt nicht lange auf sich warten; die „BICs“, „Boys in concert“ haben genauso viel Spaß am Musizieren und Arrangieren.

Spaß und Teamgeist stehen für Müller-Nanninga und seine inzwischen 170 Jungs, die in drei Kurrende-Gruppen und dem Knabenchor versammelt sind, an erster Stelle. Dafür nehmen viele weite Wege auf sich. Die Chormitglieder kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten und dem weiteren Einzugsbereich Bremens und umzu zu den Proben, Die pro Gruppe zwei Mal wöchentlich stattfinden. Einzelstimmbildung und die Technik des Vom-Blattsingens werden gratis vermittelt.

Die Teilnahme an der sommerlichen Proben- und Spielfreizeit ist obligatorisch. Und auch dort kommt das Vergnügen nicht zu kurz. So werden Fußballturniere ausgetragen, deren Ergebnisse akribisch im eigens produzierten Chorjournal dokumentiert werden. Bei aller Begeisterungsfähigkeit: Sorgen machen Ansgar Müller-Nanninga, der auch Landeskirchen-Musikdirektor ist, allein die wegbrechenden Kirchensteuer-Einnahmen und die Etablierung des Ganztagsschulen-Modells, durch das der nachmittägliche Gestaltungsspielraum für Proben stark eingeschränkt werden würde.

 

Unser Lieben Frauen Kirche Bremen

Sonnabend, 17. September 2005, 18.00 Uhr

 

60 Jahre Knabenchor Unser Lieben Frauen

1945 - 2005

Vesperprogramm

         Orgel:                                      Nicolaus Bruhns (1665 – 1697): Präludium e-moll

       Gebet des Präfekten

       Knabenchor und Gemeinde:     Ingressus,  Evangelisches Gesangbuch Nr. 785.1

       Knabenchor und Gemeinde:     Hymnus, Evangelisches Gesangbuch Nr. 785.5

       Knabenchor:                            In allen meinen Taten (Satz: Johann Sebastian Bach)

       Knabenchor:                            Psalm 34, Ich will den Herrn loben allzeit

       Knabenchor:                            Jacobus Gallus (1550 – 1591): Zwei Motetten für Männerchor

                                                      Praeparate corda vestra

                                                      Confirma hoc, Deus

       Gemeinde:                               Dir, dir, o Höchster, will ich singen

                                                      Evangelisches Gesangbuch Nr. 328, 1 – 3

       Predigt zu:                               Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes,
der singe Psalmen
(aus dem Jakobus-Brief 5, 13)

       Gemeinde:                               Wer nur den lieben Gott lässt walten

                                                      Evangelisches Gesangbuch Nr. 369, 1 2 + 7

       Knabenchor:                            Jacobus Gallus: In nomine Jesu, Motette für Männerchor

                                                      Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 – 1847):

                                                      Verleih uns Frieden, Motette für gemischten Chor und Orgel

       Knabenchor:                            Magnificat

       Gemeinde:                               Vater unser im Himmel, Evangelisches Gesangbuch Nr. 186

       Knabenchor:                            Abendlied: O du stille Zeit (Satz: Cesar Bresgen)

       Schola und Gemeinde:              Segensbitte, Evangelisches Gesangbuch Nr. 785.11

       Knabenchor:                            Führ’ auch mein Herz und Sinn (Satz: Johann Sebastian Bach)

       Orgel:                                      Felix Mendelssohn-Bartholdy: aus der 2. Sonate c-moll, op. 65

                                                      3. Satz: Allegro maestoso e vivace; 4. Satz: Fuga

 

Mitwirkende:

Predigt: Christian Gotzen, Domprediger

Ehemalige und Aktive des Knabenchores der Unser Lieben Frauen Gemeinde

Orgel: Kai Niko Henke

Leitung: Ansgar Müller-Nanninga

 

Die Vespern finden regelmäßig an jedem ersten Sonnabend eines Monats um 18.00 Uhr in der Unser Lieben Frauen Kirche statt; in der Schulzeit (November 2005, Februar, März, Mai, Juli 2006) werden sie vom Knabenchor gesungen, in der Ferienzeit (Oktober 2005, Januar, April, Juni 2006) als Orgelvesper gestaltet. Wenn der erste Sonnabend eines Monats auf einen weltlichen Feiertag (1. Januar, 1. Mai, 3. Oktober) fällt, findet keine Vesper statt! Anstelle der Dezembervesper ist am 3. und 4. 12. 2005 das Weihnachtsliedersingen des Knabenchores.

 

Die Kollekte am Ausgang erbitten wir freundlich für die Kirchenmusik an Unser Lieben Frauen.

 

Ansprache zur Vesper des Knabenchors am 17. 09. 2005

Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen Jakobus 5,13.

Beten und Singen – das zieht sich wie ein roter Faden durch die Vesper-Tradition des Knabenchors. Wer würde das heute Abend auch anders vermuten? Seit 60 Jahren bildet sie, die Vesper, in guten und ebenso in weniger guten Zeiten das Kontinuum, musikalisch gesagt: das Passacaglia-Motiv des Knabenchors. Aktive und Ehemalige, wir alle haben das erlebt und sind dadurch, auf vielleicht ganz unterschiedliche Weise, aber doch alle samt und sonders geprägt worden.

Die Vesper als Abendgebet, die anderen Stundengebete bei den Chorfreizeiten, von Kantor Harald Wolff einst aus der Berneuchener Tradition ins eher reformiert - unliturgische Bremen eingeführt – sie haben diesem Chor ihr Gesicht gegeben und uns, die Knaben (die Jungs, wie man heute wohl eher sagt) geformt. Ich sage „geformt“, weil wir schon in jungen Jahren begriffen oder wenigstens ahnten, was Gottvertrauen bedeutet – oder weltlich gesagt: wie eng Freude und Leid, Sieg und Niederlage, Erfolg und Scheitern manchmal zusammen liegen, und das nicht nur beim Fußball, jener – wohl nicht ganz zufällig – zweitwichtigsten Leidenschaft eines Knabenchors.

Darum also: Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. Zugegeben: Dieser Bibelvers kommt zunächst wie ein Rezept daher. Und mit Rezepten oder guten Ratschlägen ist das bekanntlich so eine Sache! Ob im Stimmbruch pausieren oder weiter singen – diese bis heute unter Kantoren heiß debattierte Streitfrage, von uns Pubertierenden am eigenen Körper leidvoll, lustvoll erlebt: nicht immer „guten Mutes“ ab in die tieferen Stimmen, aber doch schon wenigstens hörbar männlicher, mit größerer Verantwortung für die Jüngeren, länger aufbleiben dürfen, die Complet mitsingen usw. … All das war und ist im wahrsten Sinne ein Wachstumsprozess, der alle Facetten des Mündigwerdens in sich trägt.

Auch der Glaube, das Gottvertrauen ist nicht einfach auf Rezept zu haben. Nicht mal in einem Knabenchor. Sondern bedeutet auch und gerade hier: sich herantasten, hineinfinden, erwachsen werden. Zweifellos, was sind, was waren das für Erfahrungen: Die erste Matthäus-Passion als Neunjähriger mitsingen und danach vor Ergriffenheit nicht schlafen können: Jesus am Ölberg, Petrus nach dem Hahnenschrei, da weint man selber bitterlich. – Oder die andere Facette: von fünf Paukenschlägen begleitet unisono „Jauchzet, frohlocket“ schmettern, überhaupt der ganze himmlische Jubel im Weihnachtsoratorium!

Wie lassen sich solche Grunderfahrungen christlichen Glaubens und Lebens zwischen Kyrie und Gloria eigentlich anders mitteilen, als dass man singend, betend in sie hineinwächst? – Noch einmal: Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. Beten und Singen – das lässt sich in der Tat nicht rezeptartig dosiert voneinander trennen, das eine hierfür, das andere dafür. Und ich glaube auch nicht, dass der Verfasser des Jakobusbriefes das so gemeint hat, in der Auflistung all der guten Wünsche und Hoffnungen für seine Gemeinde am Ende des Briefes.

Vielmehr gilt das bis heute für alle, die das Evangelium hören: nicht fertig werden, sondern immer weiter hineinwachsen, mündig werden in einem christlichen Lebensstil, der sich – und das ist wichtig – auch nach außen hin  sehen lässt! Gerade das war für mich eine ganz wichtige Erfahrung der Knabenchorzeit: Singend beten lernen, wo bloß gesprochene oder nur gedachte Worte vielleicht noch nicht sehr viel herausgebracht hätten. Aber mit der Stimme, mit der Sprache der Musik in unvergleichlicher Intensität zum Ausdruck kamen!

Möglicherweise ist das auch und gerade in unserer Zeit, mit den vielen ungelösten Fragen, was auf uns zukommt, wie wir unsere Zukunft gestalten sollen, eine bleibend wichtige Aufgabe von Euch aktiven Knabenchorsängern: in dieser Stadt deutlich zu machen, ja durch euer Auftreten zu verkörpern, dass es da noch eine ganz andere Dimension des Lebens gibt; eine Dimension, die oft zu kurz kommt, aber gerade in der geistlichen Musik immer wieder anklingt: nämlich singend und betend die Gegenwart Gottes mitten im Leben zu verkündigen. Und zwar so – wie wir eben im Psalm gesungen haben, „dass es die Elenden hören und sich freuen“ (Psalm 34,3) – jene Obdachlosen unter den Rathausarkaden etwa, die unsere Bürgerlichkeit manchmal stören, die aber im Sinne Jesu, im Sinne eines christlichen Menschenbildes auch in unserer Stadt ein Heimatrecht  haben.

Darin, so glaube ich, hat euer Singen, hat die Kirchenmusik insgesamt tatsächlich eine heilende, eine therapeutische Funktion. Und deshalb ist das mit dem Rezept doch gar nicht so falsch: singend beten lernen, dass es die Elenden hören und sich freuen, auch in den Krankenhäusern, in den Pflegeheimen und wo sonst Ihr mit Euren Stimmen Gutes wirkt.

Denn wo jemand singt, da wird die Seele frei und hat wieder Luft zum Atmen. Wo jemand singt, da geht eine Botschaft mit besonderem Klang zu Herzen, ganz gleich ob in der Sprache der alten Meister wie Jacobus Gallus oder in den flotten Rhythmen eines Ragtime oder Rap, die Ihr „Jungs von heute“ bekanntlich genauso perfekt draufhabt. Wo jemand singt, da kann immer eine oder einer mit einstimmen, vielleicht erst nur summend, dann aus voller Kehle, und so wieder „guten Mutes“ werden.

Eines meiner Lieblingslieder seit Knabenchorzeiten ist jenes, das wir gleich singen werden. Die letzte Strophe fängt an: Sing, bet und geh auf Gottes Wegen … Ein Drittes also kommt zum Singen und Beten noch hinzu: Das Gehen. Das Hinausgehen in alle Welt, wie es Jesus den Seinen mit auf den Weg gibt. Wie es insbesondere bei den Reisen des Chors seit 60 Jahren geschieht, etwa 1972, beim Ökumenischen Chortreffen in Edinburgh, wo wir hautnah in der Gemeinschaft mit Dänen, Italienern und Schotten erlebten, dass die Christus-Botschaft bis heute um die Welt geht, indem sie Menschen unterschiedlichster Herkunft miteinander verbindet, eben durch die für alle verständliche Sprache der Musik.

Und darum lasst mich das zum Schluss sagen: Das Singen und Beten, in der Gemeinschaft der Vesper geübt und gepflegt, ist kein Selbstzweck, es drängt letztlich hinaus, aus den Kirchenmauern und aus uns selbst. Hinaus zu denen, die durch Euer Singen wieder Mut und Kraft zum Leben bekommen. Möge das so bunt, so vielfältig, so fröhlich und engagiert weitergehen, auch im 61. Jahr und darüber hinaus.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre euch, eure Herzen und Sinne, bei Christus Jesus. Amen

Pastor Christian Gotzen, St. Petri Dom Bremen.

Im Knabenchor von 1970 bis 1978

 


 

Begrüßung zum Festabend 60 Jahre Knabenchor am 17. 09. 05

Sehr geehrte Gäste,

liebe junge und alte Chorknaben!

Es ist mir eine große Freude, Sie und Euch alle namens der Gemeinde von U.L. Frauen und des Freundeskreis des Knabenchors heute Abend zum 60-jährigen Jubiläum des Knabenchors begrüßen zu dürfen. 260 Personen waren wir noch nie zu einem Knabenchor-Jubiläum, zu viele, um alle einzeln zu begrüßen.

Aber einige möchte ich doch namentlich erwähnen:

Stellvertretend für alle jungen und alten Chorknaben möchte ich nennen den derzeitigen Präfekten Simon Carstens.

Den ältesten Chorknaben, der schon bei der ersten Probe dabei war, Hinrich Stoevesandt.

Und den jüngsten Chorknaben, der schon als 6-jähriger hier mitsingt, Christopher Skilton.

Allen nochmals ein herzliches Willkommen!

Wir feiern heute den 60. Geburtstag des Knabenchors und denken zugleich an den 100. Geburtstag seines Gründers Harald Wolff. Vor 10 Jahren zum 50-jährigen Jubiläum des Knabenchors war Harald Wolff noch mit dabei. Heute freuen wir uns, dass seine drei in Deutschland lebenden Kinder bei uns sind: Agneta Poulsen, Maria Wolff und Harald Wolff, der früher auch im Knabenchor gesungen hat.

Ein alter Weggefährte und Kollege von Harald Wolff, Herr Prof. Gebhard Kaiser, musste heute morgen leider absagen aus gesundheitlichen Gründen. Er war gestern dabei und hoffe, auch morgen wieder hier zu sein. Er war von 1946 bis 1952 2. Kantor an Liebfrauen und hat in dieser Zeit auch vertretungsweise über ein halbes Jahr den Knabenchor geleitet und später dann bis zu seiner Pensionierung mit der Kantorei St. Ansgarii große Kirchenmusik gemacht.

Chris Vandré, der nach Harald Wolff gut 20 Jahre den Knabenchor geleitet hat, musste leider aus gesundheitlichen Gründen sein Kommen absagen. Seinen Brief möchte ich kurz vorlesen: „....“

Vielleicht können alle, die möchten, einen gemeinsamen Gruß an Herrn Vandré unterschreiben, der vorbereitet ausliegt.

Der Knabenchor hat sich in den letzten 10 Jahren unter AMN erheblich verändert:

Er ist moderner geworden, ohne aber die alten Werte zu vernachlässigen. Er ist mit über 160 Jungen viel größer geworden, hat aber die bewährten Strukturen mit Präfekt, Adjunkten bzw. jetzt 5er-Rat und Mentoren bewahrt. Er ist musikalisch wieder sehr viel besser geworden und hat ein hohes Konzertniveau erreicht, aber weiterhin seine Verankerung in den Vespern und Gottesdiensten der Gemeinde beibehalten.

Der Knabenchor ist in den letzten Jahren auch durch viele Auftritte außerhalb unserer Gemeinde weithin bekannt geworden, z.B. durch Konzertreisen nach London, Paris und Kopenhagen, durch Singen in der Glocke, auf dem Marktplatz und im Rathaus und gar im Reichstag zum Festakt 50 Jahre BRD.

So seid Ihr Jungen im Knabenchor gute Botschafter nicht nur für unseren Glauben und die Kirche sondern auch für die Stadt Bremen!

Ihr zeigt, dass Kirche Spaß machen kann. Für den Kn scheut Ihr keine Mühe und nehmt auch manche Entbehrung auf Euch, verzichtet z.B. auf einen Besuch bei Werder im Weserstadion, weil Vesper ist. Manche wundern sich vielleicht darüber, aber wer einmal im Knabenchor gesungen hat, versteht das. Knabenchor prägt das Leben. Jan Ferus formulierte es vor 10 Jahren an dieser Stelle so treffend: „Chorknabe ist man lebenslang, man trägt den Chormantel später innen.“!

Dass dies so ist, liegt auch ganz wesentlich an den drei Kantoren, die der Knabenchor in den letzten Jahren hatte und hat, Harald Wolff, Chris Vandré und Ansgar Müller-Nanninga. Gerade die Arbeit mit jetzt über 160 Jungen und allein 14 Proben in der Woche erfordert viel Zeit, Energie und pädagogische Qualitäten. Dafür, dass Du diese wertvolle Jugendarbeit nach wie vor mit so viel ansteckender Freude und Tatkraft machst, gilt Dir, lieber Ansgar, unser aller ganz herzlicher Dank!

Weil das Singen bei Dir den Jungen so viel Spaß macht, haben sich inzwischen aus dem Knabenchor 2 A-cappella-Gruppen gebildet, die sich selbständig organisieren und zusätzlich proben und auftreten, nämlich die BIC (Boys in concert) und A-Chording. Das ist gewiss eine ganz besondere Bestätigung für Deine Arbeit.

Dank sagen möchte ich heute aber auch allen, die durch ganz besonderen persönlichen Einsatz zum Gelingen dieses Jubiläums beigetragen haben und es noch tun, insbesondere

Herzlichen Dank Euch und Ihnen allen!

 

 

Ich habe noch 2 Bitten:

Der Knabenchor braucht unser aller ideelle und materielle Unterstützung, sonst hätte er das Tief vor 12 Jahren gar nicht überlebt.

Soweit Sie noch nicht Mitglied des Freundeskreises sind, freuen wir uns über Ihren Beitritt heute Abend.

Da der Knabenchor weiter gewachsen ist, brauchen wir zusätzliche Chormäntel und Westen, damit sie für alle reichen.

Es wäre schön, wenn wir heute Abend diese Lücke schließen könnten. Es liegen Spendenformulare hierfür aus.

Zur Erleichterung der Kommunikation tragen heute Abend alle Namensschilder. Bei den alten Chorknaben haben wir etwaige akademische Titel weggelassen, dafür aber das Eintrittsjahr in den Knabenchor angegeben. Ich möchte vorschlagen, dass sich heute Abend alle Chorknaben, ob jung oder alt, einfach mit dem Vornamen anreden und duzen.

Und nun wünsche ich uns allen einen fröhlichen unvergesslichen Abend, der jetzt fortgesetzt wird mit Gesang von A-Chording!

 

Dr. Thomas Carstens

Vorsitzender des Freundeskreises des Knabenchors

 


Rede zum Festgottesdienst am 18. 09. 2005

 

Liebe Gemeinde,

wir haben den besonderen Anlass, den heutigen Gottesdienst als einen Festgottesdienst zu begehen. Unser Knabenchor feiert seinen 60. Geburtstag. In der Rückbetrachtung können wir feststellen, welch beglückendes Geschenk es für unsere Gemeinde war, dass der damalige Kantor Harald Wolff am 14. September 1945 mit drei Jungen begann, seine Vision umzusetzen, einen Knabenchor für unsere Gemeindefamilie ins Leben zu rufen. Das sich dann weiter fortsetzte mit Chris Vandré und seit 1993 mit Ansgar Müller-Nanninga, unserem Kantor und Landeskirchenmusikdirektor. Schon erreichte Leistungen des Chores unter seiner Leitung, die von insgesamt 166 Jungen geboten werden, beweisen die hohe Qualität. Die Vision ist geblieben, nunmehr mit dem Ziel, stets die Vollendung anzustreben. Dem gebührt Anerkennung. Allgemein wurde sie schon in Zeitungen und anderen Druckwerken ausgesprochen. Mag solches Lob noch so groß und ehrenvoll gewesen sein, ein Jubilar wird hierüber nie den ganz besonderen Gruß und Dank der eigenen Familie, unserer Gemeinde, entbehren wollen, für die unser Knabenchor mit Begeisterung seinen Gesang darbietet, die Gemeinde ihrerseits die Musikvorträge sehr gern aufnimmt und sich beflügeln lässt. Nun sind wir heute hier im Festgottesdienst. In Ihrer aller Namen sowie auch meiner Bauherrenkolleginnen und –kollegen und des Pastorenkollegiums möchte ich dem Jubilar, dem Knabenchor und seinem Leiter herzlichst beglückwünschen und Dank sagen. Einen Anteil des Dankes soll auch den Assistenten unseres Kantors, seinen Helfern, Stimmbildnern, seiner Sekretärin zukommen, egal ob ihre Leistungen mittelbar oder unmittelbar dem Knabenchor zu Gute kommen. Aus meinem Konfirmandenunterricht sind mir mahnende Worte des Pastors in Erinnerung geblieben, die in etwa lauteten: „Jungens, verlasst euch nicht auf den Chor. Der Gemeindegesang ist genauso wichtig. In der Kirche muss es singen und klingen, sausen und brausen, dass es bis zum Himmel hinaufsteigt. Und wenn ihr nicht richtig singen könnt, dann singt wenigstens laut.“ Das war vor knapp 60 Jahren. Von dieser Mahnung habe ich mich bis heute nie verleiten lassen. Es ist mir einfach zu riskant, falsche Töne gen Himmel zu schicken, denn nur solcher allein bin ich mächtig. Unser seinerzeitiger Pastor konnte ja auch nicht wissen, zu welch hoher Gesangsqualität ein Knabenchor, wie der unsrige, einmal fähig sein würde. Aus diesen Gründen also, meines geringen Musikverstandes wegen, dürfte ich es auch eigentlich nicht wagen, mich heute in einem Loblied auf den Jubilar, unseren Knabenchor zu versuchen. Ich habe jedoch die Hoffnung, dass mir mit dem Amt des Bauherrn doch ein wenig Verständnis gegeben worden ist, das die fehlende gesangliche Begabung und Notenkenntnis ersetzen kann. Bestimmt jedoch darf ich für mich in Anspruch nehmen, dass ich Vorträge des Knabenchores stets hervorragend finde und ich immer wieder begeistert bin. So wiederum auch vorgestern Abend. Und zum Glück kommen ja Glückwünsche und Dank zwar auch aus der Kehle, aber weit mehr noch aus dem Herzen. Ich wiederhole die herrlichste Gratulation. Die Familie, unsere Gemeinde, ist stolz auf ihren Knabenchor und auf all diejenigen, die seine hohe Qualität bewirken und auch weiterhin sichern werden.

 

 

Dietrich Rickens, Bauherr der Gemeinde Unser Lieben Frauen